In der beliebten ZDF-Trödelshow "Bares für Rares" kommt es immer wieder zu ungewöhnlichen Momenten. Doch was Verkäufer Eberhard Friedrich aus Strausberg gemeinsam mit seiner Partnerin Daniela Meyer präsentiert, sticht besonders hervor: eine rund 100 Jahre alte Brosche mit Skarabäus-Motiv und einer ganz eigenen Reparaturgeschichte.
Skarabäus-Schmuck: Trend um 1900 aus Gold
Schon beim ersten Blick auf das Schmuckstück zeigt sich Moderator Horst Lichter neugierig: "Ja, das sind Käfer, also die Reste davon." Expertin Heide Rezepa-Zabel erklärt daraufhin genauer: "Das ist der Chitinpanzer. Skarabäen würde man hier sagen, aber im Grunde ist es die große Familie der Blatthornkäfer." Die Brosche bestehe aus 585er Gold und echten Käferflügeldecken, sogenannten Skarabäen – also Mistkäfern –, die durch ihre Struktur ein charakteristisches grünliches Schillern erzeugen. Solche Materialien waren besonders zur Kolonialzeit beliebt. Besonders interessant sei die historische Bedeutung der Skarabäen: Im alten Ägypten galten sie als Symbol für den Kreislauf des Lebens und wurden häufig als Amulette getragen oder den Toten beigelegt. Rezepa-Zabel ordnet die Mistkäfer-Brosche historisch in die Zeit um 1900 bis 1910 ein.
Erbstück mit DDR-Vergangenheit bei der ZDF-Sendung
Die Brosche stammt ursprünglich aus dem Familienbesitz. Eberhard Friedrichs Mutter hatte das Schmuckstück in den 1970er Jahren in der DDR vor dem Einschmelzen bewahrt – eine damals häufige Praxis, um an Gold für Eheringe zu gelangen. Über Umwege gelangte das Stück schließlich zu Friedrich, der jedoch keinen persönlichen Bezug dazu hatte.
Expertise bei „Bares für Rares“: Was ist die Gold-Brosche wert?
Das Besondere: Die Brosche war beschädigt. Ein ursprünglicher Bestandteil – vermutlich ein dritter Käferpanzer – fehlte. Statt das Stück professionell restaurieren zu lassen, hatte Friedrich seine ganz eigene Lösung parat: Auf einem Flohmarkt fand er einen kleinen Karneolstein und setzte ihn kurzerhand in die Mitte ein. Eine Entscheidung, die sich als überraschend gelungen herausstellte. Zwar wirkt die Verarbeitung auf Expertin Rezepa-Zabel insgesamt eher einfach und teilweise dilettantisch, doch genau das entsprach dem damaligen Geschmack. Der eingesetzte Karneol sei zwar nicht original, füge sich aber erstaunlich gut ein. Ihre Bewertung: rund 250 Euro. Allein der Goldwert liegt bereits bei etwa 230 Euro.
Händler reagieren überrascht: Lob für ungewöhnliche Reparatur
Im Händlerraum sorgt die Eigenarbeit sofort für Gesprächsstoff. Wolfgang Pauritsch fragt direkt: "Sind Sie Goldschmied?" Eberhard Friedrich antwortet lachend: "Nein." Die kreative Ergänzung in der Mitte kommt jedenfalls gut an. Händlerin Lisa Nüdling zeigte sich beeindruckt und bezeichnet die Lösung als "toll gemacht". Auch Walter Lehnertz findet, dass der Stein so gut platziert sei, dass er fast original wirke. "Das Gute ist, dass der Stein in der Mitte ist – sonst würde es gebastelt aussehen. So wirkt es, als wäre es immer so gewesen", beteuert er.
Bietergefecht um Käfer-Schmuck: Preis steigt über Expertise
Das Startgebot liegt bei 80 Euro, doch schnell entwickelt sich ein kleines Bietergefecht. Schließlich sichert sich Händler Fabian Kahl die Brosche für 270 Euro und zahlte damit sogar mehr als die Expertise. Nüdling kommentiert augenzwinkernd: "Da steht doch dein Name drauf. Die steht dir wirklich gut." Für Eberhard Friedrich ist der Verkauf zwar erfreulich, doch noch wichtiger war ihm etwas anderes: die Anerkennung seiner eigenen Arbeit. "Am meisten freue ich mich, dass mein eingesetzter Stein so gut angekommen ist", sagt er nach dem Deal.



