„Rexi, halt durch!“ – Dementer Hund bekommt plötzlich Post aus dem ganzen Land
Über die Kümmernisse mit ihrem alten Vierbeiner hatte unsere Redakteurin in der letzten Kolumne berichtet. Das rührte viele andere Halter zutiefst. Sie sprechen Mut zu und haben Tipps.
Die Ursprungskolumne
„Dementer, alter Hund! Manchmal möchte ich ihn anschreien und schütteln“ – in ihrer letzten Kolumne beschrieb Redakteurin Claudia Marsal ihre Kümmernisse mit ihrem, im Alter stieselig werdenden Hund. Dass der vermutlich an Demenz leidende Vierbeiner plötzlich andere Artgenossen anbellt und auch sonst kaum wiederzuerkennen ist, ist eine Beobachtung, die offenbar viele andere Halter mit ihren Lieblingen machen, wie die Flut der danach eingehenden Leserbriefe bewies. Wir zitieren hier auszugsweise aus der Vielzahl von Emails, die die Redaktion in den letzten Tagen aus ganz Deutschland erreichte.
Mit Mops-Omi viel durchgemacht
„Hundeverbundene Grüße an Rex und die Halterin“ kamen von Nicole Mittag. Sie schrieb: „Ich habe den Beitrag gelesen, und nachdem ich eine Stunde durchgeweint habe, möchte ich nun darüberschreiben, warum. In unserer Mitte lebt unsere Mops-Omi Mila (12). Sie ist seit zehn Jahren bei uns. Wir haben sie mit zwei Jahren aus Hamburg übernommen, weil die Vorbesitzer keine Zeit mehr hatten und sie verantwortungsvoll vermittelt haben. Wir haben seit dem ersten gemeinsamen Tag das schönste Leben miteinander. Natürlich haben wir viel durchgemacht in dieser Zeit, bei Mila waren es zwei Knie-OPs, kleinere ‚Schürfwunden‘, eine Gebärmutterentzündung mit operativer Entfernung, viel Analdrüsenausdrücken … Bei uns Menschen war auch viel los, Depressionen, Panikattacken, berufliche Veränderungen, Krankheit, Krebs, Verlust der Mutter – gerade ganz frisch. Und immer da ist diese kleine Hündin, die alles erleichtert, nicht wertet, wartet, glücklich scheint, wenn wir da sind. Nun ist sie blind, dement, ganz anders, als sie es einmal war. Sie kommt nicht mehr an die Tür zum Begrüßen, bleibt liegen, schläft oft tief. Kurze Gassi-Runden, und ja, es wird alles angebellt, was oft gar nicht da ist. Jetzt braucht sie Ruhe. Was mache ich nun? Ich genieße, was sie mir anbietet, nehme jeden Moment mit, beobachte, bewache, habe Angst. Was kann man da tun, wenn der beste Freund sich verändert? Habe ich mich auch verändert? Ja, denn ich passe mich an, lerne gelassener zu sein und stelle fest, es tut mir gut. Dankbar bin ich für die ganze gemeinsame Zeit.“
Medikamente und CBD-Öl als Hilfe
Leserin Daniela Azzolinil empfahl, es einfach mal mit einem Medikament für bessere Durchblutung oder mit CBD-Öl zur Beruhigung zu versuchen (neben B-Vitaminen): „Heilung gibt es nicht, aber Unterstützung und gegebenenfalls Linderung …“
Henny Wilde schrieb: „Als Hundefreundin kann ich nur sagen: Leider kann man nicht viel machen. Mein Shadow wird auch 14 Jahre alt in diesem Monat, und ich erkenne meinen Gefährten auch nicht mehr wieder. Ich schlafe seit Wochen im Wohnzimmer auf der Couch, weil, wenn er alleine unten ist, dreht er mir nachts das Zimmer auf links. Er versucht, in jede Ecke zu gehen, stößt bewusst Sachen weg. Ich habe das Zimmer in Fort Knox verwandelt und alles abgesichert. Er bekommt Medizin zur Besserung der Durchblutung des Gehirns. Es ist etwas besser geworden dadurch, er ist ruhiger geworden. Abends gebe ich ihm noch Seelenyoga-Leckerlis, da ist alles Mögliche zur Entspannung drin, das scheint ihm gutzutun. Ab und zu lässt er mich auch mal durchschlafen, aber meist sind es nur fünf Stunden. Der Hund hat mir aber in zwei Trauerfällen – erst mein Sohn und vor zwei Jahren mein Mann – so gut geholfen und war immer an meiner Seite, das gebe ich ihm jetzt wieder. Er bleibt auch nicht mehr alleine zu Hause, ich nehme ihn immer mit, wenn es mal nicht geht, bleibe ich mit ihm daheim. Ich wünsche noch Kraft für die nächste Zeit.“
Jan Kielczynski hatte folgenden Tipp: „Ich habe den Artikel gelesen und häufig von der Anwendung von CBD-Öl bei dementen und dabei unruhigen Hunden gehört. Sicherlich bin ich nicht der Erste, der das schreibt, und vermutlich haben Sie das auch schon irgendwo gehört, aber wer weiß. Ich wünsche Ihrer Familie und damit auch Rex alles Gute.“
Alte Vierbeiner aus dem Tierschutz
Ursula Eickmeyer bestätigte, dass ein alter Hund genau wie eine alte Katze so manches Mal ganz schön nerven könne, wenn die „Alterssturheit“ oder auch die Demenz beginnen: „Ich habe manche alten Tiere aus dem Tierschutz gehabt. Mein jetziger Hund, ein Jack-Russell-Mix, ist 13 Jahre und wird seit einiger Zeit ‚komisch‘ im Verhalten. Mein Rat: Den Nachbarn den Grund nennen, warum der Hund ‚gerne‘ bellt und ansonsten JEDEN TAG genießen, solange Ihr ‚Wuff‘ noch bei Ihnen ist. Es kann sehr schnell zu Ende sein mit seinem Leben, das habe ich alles erlebt.“
Claudia Sparrer berichtete uns: „Wir haben auch eine ältere Hündin. Zwar nicht dement, aber sie wurde immer langsamer beim Spazierengehen und hat bei Anstrengung immer ganz schnell geatmet. Unsere Tierärztin hat uns dann ein Medikament empfohlen und dazugesagt, dass es bei älteren Hunden die Durchblutung in den kleinen Kapillaren fördern würde. Unsere Hündin bekommt dieses Medikament jetzt jeden Tag und ist fast wieder wie früher, wir sind total begeistert von der Wirkung. Ob dieses Medikament auch bei Demenz helfen könnte, kann ich nicht sagen, aber ich würde es mal probieren.“
Alles und jeden angebellt
Liebe Grüße sandte auch Hundebesitzerin Monique Springer: „Ich hoffe Ihnen und Ihrem Hund geht es soweit gut. Ich habe auch einen Schäferhund und habe daher Ihren Bericht sehr interessiert gelesen. Meiner ist mit einem Jahr noch sehr jung, aber es sind Parallelen zu erkennen. Er liebt es, alles und jeden anzubellen. Wir trainieren fleißig. Unser Tierarzt hatte uns in Bezug auf die Unruhe zu Silvester Bachblüten-Tropfen empfohlen. Ansonsten könnte CBD-Öl vielleicht auch kleine Erfolge bringen. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Hund alles Gute und dass die Nachbarn verständnisvoll sind.“
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