Immer mehr Versicherte in Deutschland entscheiden sich dafür, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Ziel ist es häufig, Abschläge bei einem vorzeitigen Renteneintritt auszugleichen oder die erforderlichen Wartezeiten für eine Rente zu erfüllen. Laut der Deutschen Rentenversicherung in Berlin zahlten zuletzt rund 180.000 Menschen pro Jahr freiwillige Beiträge. Davon entrichteten 64 Prozent lediglich den festgelegten Mindestbeitrag. Rentenexperte Nico Höxbroe erklärte, dass diese Zahlungen vor allem dazu dienten, die Mindestversicherungszeit für den Rentenanspruch zu erreichen.
Früher in Rente dank freiwilliger Zahlungen
Etwa 48.000 Versicherte glichen mit ihren Einzahlungen Rentenminderungen aus – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Für 2024 leisteten zudem 3.221 Versicherte Nachzahlungen für Ausbildungszeiten. Insgesamt flossen 743 Millionen Euro zum Ausgleich von Rentenminderungen und 688 Millionen Euro für die freiwillige Versicherung in die Kassen. Höxbroe bezeichnete diese Summen als erheblich.
Trotz politischer Forderungen nach einer längeren Lebensarbeitszeit gingen zuletzt fast zwei von drei Neurentnern vorzeitig in den Ruhestand. Von den 937.000 Altersrentenzugängen im Jahr 2024 traten rund 30 Prozent mit und 30 Prozent ohne Abschläge an. Freiwillige Beiträge können helfen, einen früheren Rentenbeginn zu ermöglichen. Wer eine Versicherungszeit von 45 Jahren nachweisen kann, darf ohne Abschläge vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen. Um diese Wartezeit zu erreichen, können auch freiwillige Beitragszeiten angerechnet werden, sofern mindestens 18 Jahre mit Pflichtbeiträgen aus einer Beschäftigung vorliegen.
Beispiel: Handwerkerin profitiert
Die Rentenversicherung nennt das Beispiel einer 62-jährigen selbstständigen Handwerkerin, die bereits 43 Jahre Rentenzeiten vorweisen kann. Sie zahlt für die fehlenden zwei Jahre freiwillig den Mindestbeitrag und kann so mit 65 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen.
Lohnt sich die freiwillige Einzahlung?
Ob freiwillige Beiträge eine sinnvolle Investition sind, lässt sich laut Höxbroe nicht pauschal beantworten. Angesichts der alternden Gesellschaft mit vielen 85-Jährigen betonte er: „Wenn ich so alt werde, dann hat sich das Ganze für mich gelohnt.“ Für Verheiratete kann der Ausgleich ebenfalls vorteilhaft sein, da er die Hinterbliebenenrente erhöht. Zudem sind freiwillige Rentenbeiträge steuerlich absetzbar. Die Höhe der Beiträge ist flexibel: Sie reicht von monatlichen Höchstbeiträgen über 1.500 Euro bis hin zum Mindestbeitrag von rund 112 Euro.



