Die Thüringer Zahnärzte schlagen Alarm: Die Sparpläne der Bundesregierung für die gesetzliche Krankenversicherung könnten zu erheblichen Versorgungslücken bei kieferorthopädischen Behandlungen führen. Besonders betroffen wären Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum, warnen die Kassenzahnärztliche Vereinigung Thüringen und die Landeszahnärztekammer.
Geplante Einschnitte bei Kieferorthopädie
Die Bundesregierung plant mit dem sogenannten Beitragssatzstabilisierungsgesetz ein umfangreiches Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung. Ziel ist es, ein erwartetes Defizit von 15,3 Milliarden Euro im Jahr 2027 zu decken und weitere Beitragserhöhungen zu verhindern. Eine der vorgesehenen Maßnahmen betrifft die Kieferorthopädie: Künftig sollen kieferorthopädische Leistungen für gesetzlich Versicherte nur noch von Fachzahnärzten für Kieferorthopädie abgerechnet werden dürfen.
In Thüringen versorgen derzeit etwa 90 Praxen ohne entsprechenden Fachzahnarzt-Titel rund 11.300 Kinder und Jugendliche. Mit der geplanten Regelung würden diese Kapazitäten ersatzlos entfallen, kritisieren die Zahnärzteverbände.
Drohende Null-Versorgung in einigen Regionen
Die Verbände warnen vor neuen Versorgungslücken, insbesondere im ländlichen Raum. Bereits heute gebe es im Landkreis Sonneberg keinen Kieferorthopäden. Auch das Eichsfeld drohe bei Umsetzung der Pläne in eine „Null-Versorgung“ zu fallen. Weitere sieben Kreise könnten in die Unterversorgung rutschen. Die geplanten Einschnitte seien unverständlich, da die Zahnmedizin nicht zu den Kostentreibern der gesetzlichen Krankenversicherung zähle.
Zahnmedizin kein Kostentreiber
Nach Angaben der Zahnärzte ist der Anteil der Zahnmedizin an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung seit der Jahrtausendwende von knapp 9 auf 5,7 Prozent gesunken. Die Thüringer Zahnärzte fordern daher, die geplanten Einschnitte sowie den Fachzahnarzt-Vorbehalt aus dem Gesetzentwurf zu streichen. Das Gesetz ist politisch umstritten und stößt auf heftigen Protest aus der Ärzteschaft.



