Matthias Steiner: Typ-1-Diabetes macht mich explosiv
Matthias Steiner: Diabetes macht mich explosiv

Matthias Steiner erhielt im Alter von 17 Jahren die Diagnose Typ-1-Diabetes – einen Tag vor seinem 18. Geburtstag. Diese Nachricht veränderte sein Leben grundlegend. Doch der Gewichtheber ließ sich nicht aufhalten: 2008 gewann er Olympia-Gold in Peking. Die chronische Erkrankung begleitet ihn bis heute. Auf der OMR sprach er mit FITBOOK-Chefredakteur Nuno Alves über den Alltag mit Diabetes.

Typ-1-Diabetes: Eine Autoimmunerkrankung

Steiner legt großen Wert auf die Unterscheidung zu Typ-2-Diabetes. Typ 1 entsteht nicht durch einen ungesunden Lebensstil, sondern ist eine Autoimmunerkrankung. „Mein Immunsystem richtet sich gegen mich“, erklärt er. Bei Typ-1-Diabetes zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Insulin ist notwendig, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Fehlt es, steigt der Blutzucker. Die Erkrankung kann auch Menschen treffen, die gesund leben. „Ich war als Kind schlank, sportlich, habe nicht geraucht, fast keinen Alkohol getrunken, mich gut ernährt, und trotzdem bekommt man Typ-1-Diabetes“, sagt Steiner. „Das hat damit nichts zu tun.“

Diabetes wird oft unterschätzt

Besonders zu Beginn musste Steiner lernen, mit der neuen Situation umzugehen. „In den ersten Jahren kämpft man eigentlich damit: Wie kriege ich das in den Griff, und welche Auswirkungen hat das Ganze?“ beschreibt er diese Zeit. Das Tückische: Die Krankheit tut nicht weh. „Man hat keine Schmerzen. Man fühlt sich vielleicht ein bisschen träger, aber das fühlen wir uns alle mal, wenn wir überfordert sind“, so Steiner. Deshalb werde Diabetes am Anfang leicht unterschätzt. Regelmäßige Kontrollen, etwa der Augen, gehören für ihn heute selbstverständlich dazu. Diabetes kann die Blutgefäße in den Augen schädigen und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen.

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Blutzucker beeinflusst die Stimmung

Steigt sein Blutzucker stark an, spürt Steiner das deutlich. „Dann kommt eine schnelle Müdigkeit, eine schnelle Gereiztheit“, sagt er. Obwohl er sich als gelassenen Menschen beschreibt, merke er Veränderungen sofort. „Wenn der Blutzucker zu hoch ist, bin ich auch explosiv.“ Das zeigt, wie stark Ernährung uns beeinflusst. Und nicht nur die Stimmung kann durch zu hohen Blutzucker kippen. „Wenn ich jetzt Softgetränke trinke und einen Teller Pasta esse und nicht spritze, dann bin ich ganz schnell im Koma.“ Seine Insulinpumpe helfe ihm, diese Zusammenhänge genau zu verstehen. Für Pizza oder ein Softgetränk brauche er deutlich mehr Insulin als für Gemüse oder Eier.

Ständige Aufmerksamkeit erforderlich

Auch mehr als 25 Jahre nach der Diagnose begleitet ihn die Krankheit rund um die Uhr. „Ich muss schon 24 Stunden schauen, dass es passt“, sagt Steiner. Training, Ernährung, Insulin – alles müsse aufeinander abgestimmt sein. Besonders beim Sport plane er genau, wie sich Belastung später auf den Blutzucker auswirkt. Trotzdem sieht Steiner seine Erkrankung nicht als Einschränkung. „Das ist Management. Aber es ist keine Einschränkung“, sagt er. „Am Ende ist das sogar Stressreduktion, weil ich mir bewusst Zeit nehme und sage: Ich brauche Zeit für mich.“

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