Ein kleines Kätzchen beugt sich über eine Schale Milch, schlabbert genüsslich und wirkt rundum zufrieden. Ein Bild, das viele Menschen sofort mit Fürsorge verbinden. Doch genau dieses Ritual kann für die Tiere zum Problem werden. Denn was lange als liebevoll galt, ist oft alles andere als gesund. Seit Generationen hält sich die Vorstellung: Katzen und Milch gehören zusammen. Die Realität sieht anders aus, wie PETBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) berichtet.
Eine alte Gewohnheit mit Folgen
Schon seit über 9000 Jahren leben Katzen mit Menschen zusammen. Auf Bauernhöfen bekamen sie früher oft Milch als Belohnung fürs Mäusefangen. Dieses Bild brannte sich tief ein. Sogar im Jahr 1877 empfahl ein schottischer Arzt, Katzen sollten immer zwei Näpfe haben – „einen für Wasser und den anderen für Milch“. Bis heute hält sich diese Idee hartnäckig. Doch moderne Forschung zeigt: Milch ist für Katzen kein geeignetes Getränk.
Dürfen Katzen Milch trinken?
Die meisten erwachsenen Katzen sind laktoseintolerant. Als Katzenbabys können sie Milch noch verdauen. Ihr Körper bildet dafür ein Enzym namens Laktase. Es spaltet den Milchzucker Laktose. Doch nach wenigen Wochen ändert sich das. Zwischen der sechsten und zwölften Woche wird weniger Laktase produziert. Dadurch wird Milch für sie nicht mehr bekömmlich. Das ist übrigens der Normalfall bei Säugetieren. Auch bei Katzen bedeutet das: Milchzucker kann nicht richtig verarbeitet werden.
Was passiert, wenn Katzen Milch trinken?
Gelangen unverdaute Milchbestandteile in den Darm, werden sie dort von Bakterien zersetzt. Dabei entstehen Gase und Säuren, die zu Blähungen, Bauchschmerzen oder Erbrechen führen können. Am häufigsten tritt Durchfall auf. Wird regelmäßig Milch gefüttert, kann das ernst werden. Es drohen Dehydrierung, Elektrolytverschiebungen, Nährstoffmangel und im Extremfall lebensgefährliche Zustände. Auch Übergewicht ist möglich, da Milch viele Kalorien enthält. Trotzdem trinken viele Katzen Milch gern. Der Grund liegt im Geschmack. Milch ist reich an Fett und Eiweiß. Zudem enthält sie Kasein. Daraus entsteht im Körper ein Stoff, der beruhigend wirken kann. So verbinden Katzen Milch oft mit einem angenehmen Gefühl – auch wenn sie ihnen schadet.
Zu oft und zu viel Milch kann bei Katzen zu Unwohlsein und Übergewicht führen.
Klare Ansage der Expertin
Wissenschaftlerin Julia Henning bringt es auf den Punkt: Milch gehört nicht zur natürlichen Ernährung von Katzen. „Sie mögen zwar den Geschmack, aber Milch verursacht bei Ihrem pelzigen Freund wahrscheinlich Unwohlsein und Gesundheitsprobleme, weshalb Sie sie am besten ganz meiden sollten.“ Katzen sind laut Henning sehr gut darin, ihr Unwohlsein zu verbergen, da sie in freier Wildbahn sonst zur Zielscheibe von Raubtieren würden. Ihr Rat lautet, wer seiner Katze wirklich etwas Gutes tun will, lässt die Milch besser im Kühlschrank. Wenn überhaupt, dann darf es in seltenen Fällen spezielle Katzenmilch sein.



