Münchner Kuchentratsch-Omas: Marmeladen-Königinnen verwandeln alles in köstliche Konfitüren
Im Herzen Münchens, im Café Kuchentratsch auf der Theresienhöhe, findet sich eine besondere Gemeinschaft: Rund 50 Omas backen dort nicht nur täglich Kuchen und Torten, sondern kochen mit Leidenschaft Marmeladen, Gelees und Chutneys. Diese köstlichen Kreationen finden sowohl Verwendung in den Café-Spezialitäten als auch stehen sie zum Verkauf bereit. Der Callwey-Verlag hat diese einzigartige Expertise nun in einem neuen Kochbuch gebündelt.
Von EU-Richtlinien bis Retter-Obst: Die Welt der Fruchtaufstriche
Wer genau hinschaut, stellt fest: Streng genommen darf laut EU-Richtlinie nur aus Zitrusfrüchten Hergestelltes als Marmelade bezeichnet werden. Bei Konfitüren sind die Vorgaben flexibler – sie müssen ganze oder zerkleinerte Früchte enthalten und mindestens 50 Prozent Zucker. Die im Café Kuchentratsch angebotenen Sorten wie Himbeere, Aprikose, Erdbeere und Quitte sind daher korrekterweise Konfitüren. Ein Glas dieser handgemachten Köstlichkeiten kostet 5,45 Euro.
Die Supermarkt-Varianten, die oft als Fruchtaufstrich deklariert sind, unterscheiden sich meist im Zuckergehalt oder in der verwendeten Süßungsart wie Honig oder Agavendicksaft. Gelees werden ausschließlich aus Fruchtsaft ohne Fruchtstücke oder Kerne hergestellt. Diese feinen Unterschiede kennen die Kuchentratsch-Omas genau.
„Was nicht niet- und nagelfest ist, wird verarbeitet“
Sonja Solz, eine der aktiven Marmeladen-Köchinnen, pflegt noch immer den Schrebergarten ihrer Eltern. „Was nicht niet- und nagelfest ist, wird von mir verarbeitet“, erklärt sie lachend. Ihre Ernte wandert direkt in den Kochtopf. Außerhalb der Saison greift sie zu Retter-Tüten mit Obst aus Supermärkten. Ihre Spezialität sind kreative Fruchtmischungen, wobei Holunder-Multivitaminsaft-Gelee zu ihren Favoriten zählt.
Ihr bewährtes Grundrezept: Zwei Teile Frucht, ein Teil Zucker und ein Löffel Zitronensäure. „Da kann nicht viel schiefgehen“, versichert die erfahrene Hobbyköchin. Ihre Kollegin Conny Ebert, die keinen eigenen Garten besitzt, sammelt im Sommer Früchte auf Feldern und schwört auf sortenreine Marmeladen. Beide teilen ihre Leidenschaft nicht nur im Café, sondern auch im neu erschienenen Buch.
Das Buch: Mehr als nur Marmeladen-Rezepte
„Die Marmeladen-Königinnen“ (Callwey-Verlag, 22 Euro) bietet weit mehr als klassische Rezepte. Es finden sich Anleitungen für Chutneys, Kompositionen mit Whiskey, Portwein oder Schokolade und viele kreative Verwendungsideen. Fruchtaufstriche harmonieren perfekt mit Käse, eignen sich für selbstgemachten Fruchtjoghurt oder verfeinern Müsli.
Von Kirschkonfitüre mit Kaffee über Weintraubengelee mit Lavendel bis hin zu Salatdressing mit Erdbeer-Basilikum-Konfitüre – das Buch inspiriert zum Experimentieren. Praktische Tipps der Omas runden das Werk ab: „Das A und O sind das Abwiegen und die Sauberkeit“, betont Conny Ebert. Ein besonderes Detail sind die beigelegten Aufkleber, die zum Beschriften und Bekleben der selbstgekochten Marmeladengläser einladen.
Eine Leidenschaft, die ansteckt
Bald beginnt die Rhabarber-Saison – der perfekte Zeitpunkt, um leere Gläser zu sammeln und selbst mit dem Einkochen zu starten. Wie die Kuchentratsch-Omas erfahren haben: Wer einmal beginnt, hört so schnell nicht wieder auf. Ihre Begeisterung für selbstgemachte Marmeladen ist ansteckend und verwandelt einfache Früchte in kleine Kunstwerke.



