Spargel-Saison startet mit Nachhaltigkeitsfragen
Die ersten Spargelstangen liegen in den Gemüseabteilungen - doch ihre Herkunft wirft ökologische Fragen auf. Während Importware aus Griechenland, Spanien oder Italien lange Transportwege hinter sich hat, steht auch deutscher Spargel vor dem Saisonstart. Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) erwartet in den kommenden Tagen erste nennenswerte Erntemengen.
Transportwege und regionale Alternativen
Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt klar heimischen Spargel gegenüber Importware, da lange Transporte sich negativ auf Klima und Umwelt auswirken. Noch nachhaltiger sind regional vermarktete Stangen wie Schwetzinger Spargel in Baden-Württemberg, das „weiße Gold“ aus Kutzleben in Thüringen, Beelitzer oder Kremmener in Berlin und Brandenburg, Schrobenhausener in Bayern oder Münsterländer Spargel in Nordrhein-Westfalen.
Patrick Müller vom BUND rät jedoch zur Geduld: „Erst ab Mitte April hat Spargel wirklich Saison.“ Vorher stammten viele Stangen von beheizten Spargeldämmen, was ihre Ökobilanz verschlechtere.
Das Problem mit den Plastikfolien
Fast alle heimischen Spargelfelder verwandeln sich durch schwarze und durchsichtige Folien monatelang in Plastiklandschaften. Diese Methode verfrüht und verlängert nicht nur die Saison, sondern steuert durch Temperaturregulation das Wachstum. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erklärt: Die schwarze Seite erwärmt den Boden für schnelleren Austrieb, die weiße Seite hält ihn kühl.
Für Landwirte bieten Folien weitere Vorteile: Sie unterdrücken Unkraut, halten Feuchtigkeit, reduzieren Bewässerungsaufwand und wirken wie Miniaturgewächshäuser. Zudem verhindern sie bei längeren Ernteintervallen grüne Köpfchen bei weißen Stangen - ein Qualitätsmerkmal.
Umweltkritik und Alternativen
Umweltschützer kritisieren die immensen Plastikmengen, die Böden versiegeln und Lebensräume für Vögel und Insekten zerstören. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) bestätigt: Zwar halten Folien etwa acht Jahre, dennoch fallen enorme Mengen Plastikmüll an.
Ökologisch ideal wäre Spargel nur in Saison aus regionalem, folienfreiem Anbau. Doch nach langen Wintern wollen Verbraucher das Frühlingsgemüse möglichst früh und perfekt - und zu akzeptablen Preisen. Folienspargel reduziert Produktionskosten laut VSSE um 40 Prozent, was folienfreie Ware deutlich teurer macht.
Nachhaltige Einkaufs- und Verwertungstipps
Das BZL empfiehlt, in Hofläden direkt nach folienfreier Ware zu fragen. Bei entsprechender Nachfrage und fairen Preisen spräche auch aus Erzeugersicht nichts gegen folienfreien Anbau - einige Betriebe werben bereits damit.
Harald Seitz vom BZfE gibt Tipps zur nachhaltigen Verwertung: Kochwasser von Freiland-Spargel nicht wegschütten, sondern für Suppen, Soßen oder Fond verwenden. Aus Schalen und Enden lässt sich ein Spargelsud herstellen - einfach Reste von einem Kilogramm Spargel mit knapp einem Liter Wasser 30 Minuten kochen und abseihen.
Für eine schnelle Spargelsuppe eine Mehlschwitze aus gleichen Teilen Butter und Mehl zubereiten, nach und nach den Sud unterrühren und mit Pfeffer, Salz, Muskat und Zitronensaft abschmecken. Spargelreste und frischer Schnittlauch ergänzen das Gericht perfekt.



