In diesem Jahr fällt der 1. Mai auf einen Freitag, was vielen Deutschen einen zusätzlichen freien Tag beschert. Viele nutzen ihn für Kurzurlaube, Wanderungen oder Entspannung zu Hause. Doch was steckt eigentlich hinter dem Tag der Arbeit? Und warum ist er heute noch politisch?
Woher kommt der Tag der Arbeit?
Anders als die meisten gesetzlichen Feiertage in Deutschland hat der 1. Mai keinen religiösen, sondern einen politischen Ursprung. Der Ursprung des Feiertags liegt im Jahr 1886, als in Nordamerika ein Generalstreik zur Durchsetzung des Achtstundentags begann. Drei Jahre später, 1889, trafen sich Menschen zu einem internationalen Arbeiterkongress in Paris, der dazu aufrief, dass Arbeiter weltweit am 1. Mai 1890 demonstrieren oder streiken sollten. In den USA hatte sich der Maitag bereits als „Kampftag der Arbeiterschaft“ etabliert. In Deutschland beteiligten sich ab 1890 bis zu 100.000 Menschen in Großstädten an Protestaktionen und legten teilweise die Arbeit nieder.
Wie ging es weiter?
Ende 1918, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, wurde der Achtstundentag offiziell eingeführt. Im April 1919 wurde der 1. Mai einmalig zum Feiertag erklärt, da die Sozialdemokraten an der Macht waren und sich für die Interessen der Arbeiter einsetzten. Durchsetzen konnte sich der deutschlandweite Feiertag damals jedoch nicht dauerhaft. Der 1. Mai war und ist ein Feiertag zu Ehren der Arbeiterbewegung und erinnert daran, dass ein geregelter Achtstundentag nicht immer selbstverständlich war. Während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 wurde der Feiertag instrumentalisiert: Gewerkschaften wurden zerschlagen, der 1. Mai zum „Tag der nationalen Arbeit“ umbenannt und für NSDAP-Paraden genutzt, was nichts mehr mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der 1. Mai Feiertag.
Wie politisch ist er heute?
Am Tag der Arbeit demonstrieren auch heute noch viele Menschen in Deutschland für soziale Gerechtigkeit. In der Vergangenheit kam es in Hamburg und Berlin am 1. Mai mitunter zu Krawallen und Ausschreitungen. Im Jahr 2021 wurden in der Hauptstadt Dutzende Beamte bei Zusammenstößen mit linken Demonstranten verletzt, mehr als 350 Personen festgenommen. 2024 und 2025 verliefen die Demonstrationen in den Großstädten jedoch weitgehend friedlich.
Wie sieht es in anderen Ländern aus?
Nicht nur in Deutschland wird der Tag der Arbeit gefeiert. Auch in vielen Teilen Europas, Nord- und Südamerikas, Afrikas und Asiens gilt er als gesetzlicher oder regionaler Feiertag. In manchen Ländern, darunter die Volksrepublik China, wird Beschäftigten ein arbeitsfreier Tag am Montag zugesprochen, falls der Feiertag auf ein Wochenende fällt. Im Vereinigten Königreich oder Irland wird der Tag der Arbeit „Labour Day“ genannt. In den USA und Kanada heißt er ebenfalls „Labor Day“, wird dort jedoch am ersten Montag im September gefeiert.



