Ein Vater mit einer ungewöhnlichen Art zu kochen, ein Kind, das seine eigenwilligen Lieblingsgerichte vergöttert – und heute eigene Kinder hat, die nur fassungslos den Kopf schütteln. Was hinter dieser Erinnerung steckt, wie das Familienrezept genau funktioniert und warum es sogar regionale Verwandte in Deutschland hat, erfahren Sie hier.
Die Kindheitserinnerung an Papas Soulfood
Früher, in den 1970er Jahren, war es für den damaligen Jungen das absolute Highlight: Wenn sein Vater in der Küche stand und sein berühmtes Gericht zubereitete. Es roch nach Geborgenheit, nach Heimat. Heute, Jahrzehnte später, kocht der inzwischen erwachsene Sohn selbst für seine Familie. Doch seine eigenen Kinder reagieren auf das einstige Lieblingsessen mit angewiderter Miene und dem Ausruf: „Bäääh!“
Das Rezept: Einfach und doch besonders
Das Gericht, um das es sich handelt, ist eine deftige Mahlzeit aus einfachen Zutaten: Kartoffeln, Mettwurst und Sauerkraut. Der Clou: Die Wurst wird in der Pfanne kross gebraten, das Sauerkraut mit Kümmel und etwas Speck verfeinert. Dazu gibt es Salzkartoffeln. „Für mich war das der Inbegriff von Soulfood“, sagt der Vater. „Aber meine Kinder können den Geruch nicht ausstehen.“
Regionale Verwandte in Deutschland
Interessanterweise hat dieses Gericht Verwandte in verschiedenen Regionen Deutschlands. In Bayern nennt man eine ähnliche Kombination „Kraut mit Wurst“, im Rheinland gibt es „Himmel un Ääd“ mit Blutwurst und Apfelmus. In Schwaben serviert man „Linsen mit Spätzle und Saitenwurst“. Die Grundzutat – Wurst und Kohl – variiert, aber die Idee bleibt: ein wärmendes, sättigendes Gericht, das Generationen verbindet oder auch trennt.
Warum Kinder heute anders essen
Die Ablehnung der Kinder ist kein Einzelfall. Ernährungsexperten erklären, dass Kinder oft empfindlicher auf starke Gerüche und Aromen reagieren. Zudem spielen Gewohnheiten und die Präsentation eine Rolle. „Was für Erwachsene nostalgisch ist, kann für Kinder befremdlich wirken“, sagt eine Ernährungsberaterin. „Man kann versuchen, das Gericht kindgerecht zu variieren, etwa die Wurst in Scheiben schneiden oder das Sauerkraut milder zubereiten.“
Der Vater hat das ausprobiert: Er kocht heute eine mildere Version, die auch den Kindern schmeckt. „Aber insgeheim vermisse ich den Originalgeschmack“, gesteht er. „Und wenn die Kinder mal nicht da sind, gönne ich mir mein Soulfood – ganz so wie früher.“



