Studie: Hohe Temperaturen könnten Geschlechterverhältnis bei Geburten beeinflussen
Hitze könnte Geschlecht des Babys beeinflussen

Internationale Studie untersucht fast fünf Millionen Geburten

Normalerweise kommen weltweit etwas mehr Jungen als Mädchen zur Welt – ein Verhältnis, das als stabil gilt. Doch eine umfangreiche internationale Analyse mit 4.958.918 Geburten aus den Jahren 2000 bis 2022 legt nahe, dass hohe Temperaturen dieses Gleichgewicht leicht verschieben könnten.

Untersuchung in Subsahara-Afrika und Indien

Die Forscher untersuchten 2.981.905 Geburten in 33 Ländern in Subsahara-Afrika sowie 1.977.013 Geburten in Indien. Für jede einzelne Geburt erfassten sie die täglichen Höchsttemperaturen am Wohnort der Mutter. Da in den meisten Fällen nur Geburtsmonat und -jahr bekannt waren, teilten die Wissenschaftler die Schwangerschaft rechnerisch in drei Phasen ein.

Die Temperaturen wurden in fünf Stufen kategorisiert: unter 15 Grad Celsius, 15 bis 20 Grad, 20 bis 25 Grad, 25 bis 30 Grad und über 30 Grad. Als Referenzwert dienten Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad.

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Ergebnisse in Subsahara-Afrika

In Subsahara-Afrika zeigte sich ein deutlicher Trend: Der berechnete Anteil der Jungen sank von etwa 104 auf rund 101 Jungen pro 100 Mädchen, wenn es in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft mehr Tage mit über 30 Grad gab. Besonders betroffen waren Frauen in ländlichen Regionen, mit geringer Schulbildung und ab dem vierten Kind.

Unterschiedliches Muster in Indien

In Indien trat der Effekt später auf – im mittleren Schwangerschaftsdrittel. Bei mehr Tagen mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad sank der Anteil von etwa 110 auf rund 109 Jungen pro 100 Mädchen. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei Müttern über 30 Jahren, ab dem vierten Kind und bei Frauen ohne bisherigen Sohn in nordindischen Bundesstaaten.

In diesen Regionen dokumentieren Daten seit Jahren einen erhöhten Jungenanteil. Die Forschung vermutet neben möglichen Temperatureinflüssen auch eine starke kulturelle Bevorzugung von Söhnen und geschlechtsselektive Schwangerschaftsabbrüche als Faktoren.

Statistische Zusammenhänge, keine direkte Ursache

Die Studie zeigt ausdrücklich nur statistische Zusammenhänge auf, keine direkte kausale Ursache. Frühere Forschung deutet jedoch darauf hin, dass männliche Embryonen möglicherweise empfindlicher auf verschiedene Belastungen reagieren könnten. Extreme Ereignisse wie Hungersnöte wurden in der Vergangenheit bereits mit einem sinkenden Jungenanteil in Verbindung gebracht.

Die Daten belegen nicht, dass Hitze das Geschlecht eines Babys direkt „steuert“. Sie deuten aber darauf hin, dass viele warme Tage während bestimmter Schwangerschaftsphasen mit einem leicht veränderten Verhältnis von Jungen zu Mädchen bei der Geburt zusammenhängen könnten.

Die umfangreiche Analyse bietet neue Einblicke in mögliche Umweltfaktoren, die das natürliche Geschlechterverhältnis beeinflussen könnten, und unterstreicht die Komplexität der Wechselwirkungen zwischen Umweltbedingungen und menschlicher Fortpflanzung.

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