AOK-Studie: Hohes Potenzial für ambulante OPs in Brandenburg
AOK: Mehr als Hälfte der OPs ambulant möglich

Mehr als die Hälfte aller Patienten, die in Brandenburg in einem Krankenhaus versorgt werden, könnten aus Sicht der Krankenkasse AOK auch ambulant behandelt werden. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK für den aktuellen „Krankenhaus-Report“. Die AOK Nordost fordert angesichts dieser Zahlen eine konsequente und mutige Umsetzung der Krankenhausreform in Brandenburg. Damit weist die Analyse in dieselbe Richtung wie eine Studie im Auftrag der Landesregierung, die ein Ambulantisierungspotenzial von bis zu 29 Prozent ausgewiesen hatte.

„Reform entschlossen umsetzen“

„Unser Ziel muss sein, dass Patientinnen und Patienten nur dann im Krankenhaus übernachten, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist“, sagt die Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, Daniela Teichert. „Für mehr als jede dritte Behandlung wäre nach der Analyse keine stationäre Rund-um-die-Uhr-Betreuung nötig.“ Das entlaste die Kliniken, helfe angesichts knapper Fachkräfte und sei günstiger für die Beitragszahlenden. „Die Landesregierung muss deshalb die Krankenhaus-Reform entschlossen umsetzen, um zu den notwendigen Konzentrationen zu kommen und das Potenzial für mehr ambulante Behandlungen zu realisieren.“

Im Rahmen der Krankenhausreform ist für alle Krankenhäuser in Deutschland vorgesehen, komplexe Operationen an spezialisierten Kliniken zu konzentrieren, um so die Qualität der Behandlung nachhaltig zu stärken. Einige kleine Krankenhausstandorte sollen zudem zu ambulant-stationären Versorgungszentren umgewandelt werden. Das allerdings sorgt auch für Kritik. In Brandenburg gab es im letzten Jahr etwa erhebliche Diskussionen über die Entscheidung der KMG-Kliniken, ihren Standort in Wittstock aufgrund der Vorgaben der Krankenhausreform zu schließen. Brandenburgs Gesundheitsminister setzen sich schon seit der Zeit von Ursula Nonnemacher (Grüne) für eine Ambulantisierung stationärer Leistungen ein.

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„Vernünftige Finanzierung“ nötig

Der CDU-Gesundheitspolitiker Prof. Michael Schierack, der als niedergelassener Orthopäde in Cottbus selbst ambulant operiert, geht indes davon aus, dass rund ein Drittel aller Krankenhausbehandlungen ambulant durchführbar sind. „Aber es steht auch fest, dass das gegenwärtige Gesundheitssystem nicht in der Lage ist, das umzusetzen“, wendet Schierack ein. Die Ambulantisierung von Operationen sei nicht ausfinanziert. Es gebe Maßnahmen zur Ambulantisierung, die mit dem GKV-Stabilisierungsgesetz des Bundes sogar gekürzt werden sollen. „Wenn sich ambulante Operationen für die Praxen rentieren, werden sie auch an Bedeutung gewinnen“, zeigt sich Schierack überzeugt. Derzeit seien aber nicht alle Kassen bereit, hier über eine „vernünftige Finanzierung“ zu sprechen.

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