Gut einen Monat nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff hält sich die Zahl nachweislich Infizierter weiter in engen Grenzen. Die vier nach Deutschland gebrachten Passagiere zeigen zunächst keine Symptome, doch wegen der langen Inkubationszeit könnte das noch kommen. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) betonte, dass einzelne weitere Fälle nicht überraschend wären, sondern dem erwartbaren Nachlauf entsprechen. Die Inkubationszeit beträgt meist etwa zwei bis vier Wochen.
Keine absolute Sicherheit durch PCR-Tests
Die vier Passagiere stammen aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Schmidt-Chanasit erklärte, dass selbst negative PCR-Tests keine absolute Sicherheit bieten: „Ein negativer PCR-Test zu einem frühen Zeitpunkt schließt eine spätere Erkrankung nicht sicher aus, wenn sich die Person noch in der Inkubationsphase befindet und das Virus im Blut noch nicht nachweisbar ist.“
Häusliche Quarantäne und Überwachung
Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) steht vorerst häusliche Quarantäne für die vier Betroffenen an. „Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht.“ Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards behandelt werden.
Ursprung der Infektionskette
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass die Infektionskette auf der „MV Hondius“ auf ein niederländisches Ehepaar zurückgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann – mutmaßlich der Erstinfizierte – entwickelte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall und starb am 11. April. Es kam zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen auf dem Schiff, so Schmidt-Chanasit. Da die Symptome denen von Atemwegserkrankungen ähneln, wurde erst verzögert auf das Hantavirus getestet. Danach wurden strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen eingeleitet.
Unglücklicher Zufall
Die Verzögerung sei nicht verwunderlich, da ein Andesvirus-Fall auf einem Kreuzfahrtschiff kein naheliegendes Szenario sei, sagte Schmidt-Chanasit. Es handle sich um ein sehr ungewöhnliches Ereignis, das durch mehrere unglückliche Umstände begünstigt wurde. Das südamerikanische Andesvirus wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren übertragen – etwa über Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.
Gut kontrollierbares Geschehen
Inzwischen gilt das Geschehen als gut kontrollierbar: „Die betroffenen Personen werden international nachverfolgt, Hochrisikokontakte werden beobachtet oder quarantänisiert, symptomatische Personen werden rasch getestet und isoliert, und die Krankenhäuser wissen nun, worauf sie achten müssen“, so der Virologe. „Damit hat man bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht.“ Das Andesvirus ist das einzige Hantavirus, das in seltenen Fällen bei engem, anhaltenden Kontakt von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. In den vergangenen Jahrzehnten gab es einige wenige Ausbrüche in Südamerika, die alle rasch abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko für eine umfassende Ausbreitung des Erregers.
Evakuierung und Weiterfahrt des Schiffes
Die „Hondius“ hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am Montagabend wurde die Evakuierungsaktion abgeschlossen. Das Schiff setzte danach seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung Niederlande fort. Auf dem Kreuzfahrtschiff waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten aus 23 Ländern. Zur Gesamtzahl der bisherigen Nachweise gab es von der WHO am Montag zunächst keine neuen Angaben. Drei Menschen waren Stand Sonntag gestorben: das niederländische Paar und eine deutsche Passagierin.



