Der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus ist am Samstag in Spanien eingetroffen, um die Evakuierung des Expeditionsschiffs „Hondius“ zu überwachen. Das Schiff, auf dem ein Hantavirus-Ausbruch drei Todesopfer forderte, wird in der Nacht zu Sonntag vor Teneriffa erwartet. Tedros wird gemeinsam mit Vertretern der spanischen Regierung auf die Kanareninsel reisen. Die Delegation soll um 18 Uhr (spanische Festlandszeit) von Madrid abfliegen.
Hintergrund des Ausbruchs
An Bord der „Hondius“ sind drei Passagiere an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben, darunter eine 78-jährige Deutsche aus Passau. Sechs weitere Personen wurden mutmaßlich infiziert. Seit Mittwoch befindet sich das Schiff auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Die WHO beobachtet die Situation weiterhin und koordiniert die Unterstützung. Tedros betonte auf der Plattform X, dass derzeit niemand an Bord Symptome einer Infektion zeige.
Krisenstab und Evakuierungspläne
Die spanische Gesundheitsministerin Mónica García und Innenminister Fernando Grande-Marlaska reisten gemeinsam mit Tedros nach Teneriffa. Sie werden alle Abläufe im Hafen von Granadilla koordinieren und überwachen. Der Krisenstab wurde besucht, um die Zusammenarbeit der Behörden, Gesundheitskontrollen und Notfallmaßnahmen sicherzustellen. Die Evakuierung der mehr als 140 Passagiere und Besatzungsmitglieder soll unter strengen Sicherheitsmaßnahmen erfolgen.
Die spanischen Passagiere sollen das Schiff als Erste verlassen. Die Reihenfolge für die übrigen Nationalitäten wird von den Gesundheitsbehörden festgelegt. Die Reisenden dürfen erst von Bord gehen, wenn ihr jeweiliges Evakuierungsflugzeug abflugbereit ist. Die Ausschiffung soll bei Tageslicht beginnen. Persönliche Gegenstände sind auf das Nötigste beschränkt; das restliche Gepäck verbleibt an Bord und wird später in den Niederlanden desinfiziert.
Internationale Unterstützung
Deutschland, Frankreich, Belgien, Irland und die Niederlande haben angekündigt, Flugzeuge zur Evakuierung ihrer Staatsangehörigen zu entsenden. Mindestens zwei weitere Evakuierungsflieger werden am Samstag erwartet, einer aus Bilbao und einer aus der Türkei. Ein spanisches Militärflugzeug ist bereits auf Teneriffa eingetroffen, um spanische Passagiere zurückzubringen. Auch ein US-Flieger soll bereitstehen.
Maßnahmen vor Ort
Im Hafen von Granadilla errichtet die Guardia Civil Zelte für die medizinische Untersuchung der Passagiere. Der Hafen wird weiträumig abgesperrt, um Kontakte mit der lokalen Bevölkerung zu vermeiden. Tedros wandte sich in einer Erklärung an die Bewohner Teneriffas, um Sorgen zu zerstreuen. Er betonte, dass es sich nicht um eine neue COVID-19-Situation handele und das Risiko für die Bevölkerung gering sei. Die Passagiere würden unter strengen Sicherheitsmaßnahmen isoliert an Land gebracht und direkt in ihre Heimatländer zurückgeführt.
Nach Abschluss der Evakuierung soll die „Hondius“ mit einer Restbesatzung in die Niederlande fahren, wo die Desinfektion des Schiffes erfolgen wird. Die Leiche der verstorbenen Deutschen verbleibt zunächst an Bord. Die Planungen für Ankunft, Untersuchungen und Quarantäne werden von der WHO, der EU sowie niederländischen und spanischen Gesundheitsbehörden koordiniert.



