„Hondius“-Passagiere fliegen heim: Experten sehen geringes Risiko
„Hondius“: Passagiere fliegen heim – geringes Risiko

Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ hat am Sonntagmorgen den Hafen von Teneriffa erreicht. Über 140 Passagiere und die Crew waren tagelang aufgrund eines Hantavirus-Ausbruchs an Bord isoliert. Nun werden die Reisenden von den Kanarischen Inseln in ihre Heimatländer geflogen. Viele fragen sich: Besteht die Gefahr einer Ausbreitung in Europa?

Das Andesvirus: Eine besondere Gefahr

In Deutschland kommen verschiedene Hantavirus-Typen vor, die durch Staub mit Nagetierausscheidungen übertragen werden. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei diesen Typen nicht bekannt. Anders beim Andesvirus, das auf der „Hondius“ nachgewiesen wurde. „Es ist das einzige Hantavirus, bei dem begrenzte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen überzeugend beschrieben wurden“, erklärt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg. Entscheidend sei enger und längerer Kontakt zu Erkrankten. Die Infektion äußert sich unter anderem durch Übelkeit, Erbrechen, Husten und eine Lungenerkrankung, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gibt es weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische Therapie; Ärzte können nur die Symptome behandeln.

ECDC: Sehr geringes Risiko für Europa

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC betont, dass das Risiko einer Ausbreitung des Andesvirus infolge des Ausbruchs auf dem Kreuzfahrtschiff „sehr gering“ sei. Selbst wenn evakuierte Passagiere das Virus weitergegeben hätten, sei es nicht leicht übertragbar. Auch der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gibt Entwarnung: „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht“, sagte er der „Rheinischen Post“. Einzelfälle werde es immer geben, aber eine schnelle Verbreitung sei nicht zu befürchten. Zudem gibt es das natürliche Reservoir der Andesviren – eine südamerikanische Rattenart – in Europa nicht. „Deshalb ist nicht davon auszugehen, dass das Virus in die Nagetierpopulation eingeschleppt wird“, ergänzt ECDC-Experte Thomas Hofmann.

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Isolation und Quarantäne als Schutzmaßnahmen

Die Inkubationszeit des Virus beträgt meist zwei Wochen, kann aber zwischen sieben Tagen und sechs Wochen schwanken. „Deshalb muss man auch nach Wochen wachsam bleiben und darf sich nicht nur an einem festen Zeitraum orientieren“, so Hofmann. Das RKI empfiehlt, dass Passagiere sechs Wochen nach dem letzten möglichen Kontakt in Quarantäne bleiben. Sie sollten in der Unterkunft mindestens einen eigenen Raum und ein eigenes Bad nutzen. „Die Kombination aus Isolation, Kontaktverfolgung und medizinischer Überwachung dürfte das Geschehen vergleichsweise kontrollierbar machen“, sagt Mikrobiologe Roman Wölfel von der Universität der Bundeswehr in München.

Weitere Infektionen an Bord möglich

Obwohl Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García am Samstag betonte, dass zu dem Zeitpunkt niemand auf der „Hondius“ Symptome zeigte, hält Jonas Schmidt-Chanasit weitere Fälle für möglich – sie könnten auch verzögert auftreten. Der Virologe sieht zwei mögliche Szenarien für die Infektionsquelle: Entweder haben sich eine oder mehrere Personen bereits im südamerikanischen Risikogebiet angesteckt und das Virus an Bord gebracht, oder es kam zu einer Infektion durch Nagetiere an Bord oder durch kontaminierte Lebensmittel, Lagerbereiche, Kabinen, Oberflächen oder Staub – „etwa wenn Mäuse oder Ratten das Schiff beziehungsweise Vorratsbereiche besiedelt haben“. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus beruhigt: „Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering.“ Ein Vergleich mit dem Beginn der Corona-Pandemie 2020 sei nicht angebracht.

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