Streit um Virus-Schiff: Kanaren-Präsident fordert Repatriierung statt Verlegung
Der Präsident der Kanarischen Inseln hat scharfe Kritik an den Plänen zur Verlegung eines Kreuzfahrtschiffs mit Hantavirus-Fällen nach Teneriffa geübt. Das Schiff liegt derzeit vor der Küste von Kap Verde, nachdem an Bord mehrere Fälle des gefährlichen Virus aufgetreten sind. Aus Sicht des Regionalpräsidenten wäre eine direkte Rückführung der Passagiere von Kap Verde aus möglich und sinnvoller.
Kritik an mangelnder Transparenz
In einer Stellungnahme bemängelte der Präsident, dass es keine klare Begründung für die Verlegung nach Teneriffa gebe. Zudem seien die Informationen über die tatsächliche Gesundheitslage an Bord unzureichend. Er forderte die zuständigen Behörden auf, mehr Transparenz zu schaffen und die Entscheidung zu überdenken. Die Kanaren seien nicht bereit, ein solches Risiko ohne ausreichende Aufklärung zu tragen.
Der Präsident wies darauf hin, dass auf Kap Verde ein internationaler Flughafen existiere, der eine geordnete und sichere Repatriierung der Passagiere ermöglichen würde. Stattdessen solle das Schiff nun nach Teneriffa verlegt werden, was er als unnötige Gefährdung der Bevölkerung ansieht.
Hintergrund: Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff
Das Kreuzfahrtschiff hatte vor einigen Tagen einen Notruf abgesetzt, nachdem mehrere Besatzungsmitglieder und Passagiere Symptome einer Hantavirus-Infektion gezeigt hatten. Das Virus wird durch Nagetiere übertragen und kann beim Menschen schwere Erkrankungen der Atemwege und Nieren verursachen. Die Gesundheitsbehörden von Kap Verde hatten zunächst eine Quarantäne angeordnet, doch nun soll das Schiff nach Teneriffa verlegt werden.
Die Entscheidung stößt nicht nur beim Präsidenten der Kanaren auf Widerstand. Auch lokale Politiker und Anwohner auf Teneriffa zeigen sich besorgt und fordern eine umfassende Aufklärung über die Risiken. Die spanische Regierung hat sich bislang nicht offiziell zu den Plänen geäußert.
Experten für Schifffahrt und Seuchenbekämpfung bewerten die Situation unterschiedlich. Während einige die Verlegung nach Teneriffa für vertretbar halten, da dort bessere medizinische Einrichtungen zur Verfügung stünden, sehen andere die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Virus. Die Diskussion zeigt einmal mehr die Herausforderungen im Umgang mit Krankheitsausbrüchen auf Kreuzfahrtschiffen.



