Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält weitere Hantavirusfälle im Umfeld der Kreuzfahrtschiffs MV „Hondius“ für möglich. Wegen der langen Zeitspanne von einer Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit von bis zu sechs Wochen könne die Fallzahl noch etwas weiter steigen, hieß es. Die WHO empfehle eine Überwachung der Menschen vom Schiff bis zum 21. Juni, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.
Rund 150 Menschen aus 23 Ländern waren auf der „Hondius“. Alle Hantavirusfälle sowie die Verdachtsfälle sind nach WHO-Angaben inzwischen isoliert und stehen unter medizinischer Beobachtung. Damit sei das Risiko weiterer Übertragungen auf ein Minimum reduziert.
Aktuelle Fallzahlen und Todesfälle
Derzeit seien elf Fälle erfasst, alle im Zusammenhang mit dem Kreuzfahrtschiff. Darunter seien drei Todesfälle unter früh infizierten Personen. Für neun der Fälle gebe es Labornachweise. „Alle elf Fälle traten bei Passagieren oder Besatzungsmitgliedern des Schiffes auf“, teilte der WHO-Chef mit. Das weckt die Hoffnung, dass es keine unbemerkte Verbreitung über das Schiffscluster hinaus gegeben hat. Sicher lässt sich das aber noch nicht sagen.
Deutsche Passagiere bislang ohne Symptome
Von den am Montag nach Deutschland gebrachten vier Passagieren des Schiffes zeigte zunächst niemand Symptome. „Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht“, hieß es vom Bundesgesundheitsministerium. Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren behandelt werden.
In Italien hat sich womöglich ein weiterer Mann mit dem Hantavirus infiziert. Er wurde laut der Nachrichtenagentur ANSA zur Untersuchung in ein Krankenhaus für Infektionskrankheiten in Rom eingeliefert. Der 25-Jährige aus der Region Kalabrien wurde demnach unter Quarantäne gestellt, nachdem er mit einer Frau, die später am Hantavirus verstorben war, in einem Flugzeug Kontakt hatte.
Niederlande: Zwölf Krankenhausmitarbeiter in Quarantäne
In einem niederländischen Krankenhaus mussten zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorsorglich sechs Wochen unter Quarantäne gestellt werden. Sie hatten mit Blut- und Urinproben eines am Hantavirus erkrankten Patienten hantiert, ohne die Sicherheitsregeln für solche Proben vollständig zu beachten. Das Infektionsrisiko sei sehr gering, teilte das Radboudumc-Krankenhaus in Nijmegen mit. Der Mann hatte sich ebenfalls auf dem Schiff infiziert.
Die WHO nimmt an, dass die Infektionskette auf der „Hondius“ auf ein niederländisches Ehepaar zurückgeht, das am 1. April an Bord ging. Der Mann, mutmaßlich der Erstinfizierte des Infektionsclusters, hatte am 6. April Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Durchfall entwickelt und war am 11. April gestorben.
Strenge Maßnahmen erst mit Verzögerung
Im Zuge dieser Erkrankung kam es nach derzeitiger Annahme zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des sogenannten Andestyps auf dem Schiff. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang.
Die „Hondius“ hatte am Sonntag den Hafen von Granadilla im Süden Teneriffas erreicht. Mit Sonderflügen wurden Menschen vom Schiff unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat gebracht. Am Montagabend wurde die Evakuierung abgeschlossen. Das Schiff setzte anschließend seine Fahrt mit einer Restmannschaft Richtung Niederlande fort.
Hantaviren werden normalerweise von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Der Andestyp ist der einzige, bei dem in seltenen Fällen eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung dokumentiert ist.



