Hantavirus: Tote auf Kreuzfahrtschiff – Wie gefährlich sind Mäuse?
Hantavirus: Tote auf Kreuzfahrtschiff – Wie gefährlich?

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff MV „Hondrius“ im Atlantik hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen weiteren Infektionsfall bestätigt. Insgesamt gibt es damit bislang zwei durch Labortests diagnostizierte und fünf mutmaßliche Hantavirus-Fälle. Drei Passagiere starben, darunter ein Deutscher. Das Hantavirus ist selten, aber sehr gefährlich – und es kommt auch in Deutschland vor. Kann man sich auch im Alltag damit anstecken? Welche Symptome gibt es? Wie kann ich mich schützen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Kann ich mich im Schuppen anstecken?

Hantaviren werden durch infizierte Nagetiere übertragen. Deshalb ist Vorsicht bei Mäusen geboten – auch beim Ausmisten des Schuppens. In Deutschland wird die Krankheit nicht durch Hausmäuse oder Ratten übertragen, sondern durch Rötelmäuse (in Süddeutschland) und Brandmäuse (Norddeutschland). Sie leben überwiegend im Freien, stehlen sich aber auch in Garagen, Keller oder Geräteschuppen. In den vergangenen Jahren wurden die Erreger zudem bei Spitzmäusen, Maulwürfen und Fledermäusen entdeckt. „Die Infektion des Menschen erfolgt typischerweise durch Einatmen von erregerhaltigem Staub, der mit Urin, Kot oder Speichel infizierter Nagetiere kontaminiert ist“, sagt der Virologe Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Wichtig: Bei der Beseitigung von Mäusekot sollten möglichst Gummihandschuhe und eine Maske getragen werden.

Gibt es weitere Ansteckungswege?

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) können Ansteckungen auch durch den Kontakt von verletzter Haut mit kontaminierten Materialien wie Staub oder durch den Verzehr von Lebensmitteln erfolgen, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminiert sind – sowie durch Bisse infizierter Nager.

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Übertragen auch infizierte Menschen das Virus?

Nach dem Ausbruch auf dem Schiff geht die WHO davon aus, dass es zu Ansteckungen zwischen Menschen gekommen sein könnte. Der erste erkrankte Passagier habe sich vermutlich bereits vor dem Betreten des Schiffes infiziert – und das Virus dann an Bord weitergegeben. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nur durch das südamerikanische Andes-Virus möglich, eine Variante des Hantavirus. „Da das Schiff aus Südargentinien kam, muss diese Möglichkeit bei der Diagnose ernst genommen werden“, sagt Schmidt-Chanasit. Das Gefährliche: Laut Wissenschaftlern hat dieser Virusstamm eine Sterblichkeitsrate von fast 40 Prozent. Erkrankte Personen müssen konsequent isoliert werden.

Ist es gefährlich, wenn mein Kind eine tote Maus anfasst?

Der direkte Kontakt mit einer toten Maus ist meist ungefährlich. Trotzdem besteht ein geringes Restrisiko durch Krankheitserreger im Kot, Urin oder Speichel – besonders wenn sie in Wunden oder den Mund gelangen. Man sollte dem Kind nach dem Kontakt die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen und desinfizieren.

Was, wenn Hund oder Katze eine tote Maus anschleppen?

In diesen Fällen besteht ein geringes Risiko durch direkten Kontakt mit dem toten Tier oder dessen Ausscheidungen. Es gibt jedoch keine Hinweise, dass Katzen das Hantavirus direkt auf den Menschen übertragen, auch wenn sie infizierte Mäuse gefressen haben. Aber: Wenn Ihre Katze durch infizierten Nagerkot läuft, können im schlimmsten Fall Viren im Fell haften bleiben und so ins Haus getragen werden.

Wie erkenne ich, ob ich infiziert bin?

Hanta verursacht meist plötzlich hohes Fieber, starke Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen sowie grippeähnliche Symptome wie Gliederschmerzen und Schwäche. Häufig treten Übelkeit, Erbrechen und Nierenfunktionsstörungen auf. Nach zwei bis vier Wochen Inkubationszeit können schwere Verläufe zu akutem Nierenversagen führen.

Wie viele Menschen sterben am Hantavirus?

Die Sterblichkeitsrate bei einer Hantavirus-Infektion variiert stark und hängt vom Virustyp sowie der Region ab. Sie reicht von unter einem Prozent in Deutschland bis zu 50 Prozent bei bestimmten Erregern in Südamerika.

Wie kann man sich schützen?

Vermeiden Sie möglichst den direkten Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen. Rufen Sie professionelle Schädlingsbekämpfer, wenn Sie einen Befall vermuten. Desinfizieren Sie Flächen, auf denen Sie Nagetierkot oder Urin vermuten.

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Ab wann sind Infizierte ansteckend – auch ohne Symptome?

Mit Ausnahme der Fälle der Andes-Variante in Südamerika werden Hantaviren nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Infizierte sind daher nicht für andere ansteckend, auch nicht während der Inkubationszeit oder bei Symptomlosigkeit.

Wie wird das Virus nachgewiesen?

Der Nachweis einer Hantavirus-Infektion erfolgt durch eine Blutuntersuchung. Dabei werden spezielle Antikörper nachgewiesen, die auf eine Infektion hinweisen. Ein direkter Virusnachweis per PCR-Test ist nur in der Frühphase möglich.

Wie wird das Virus behandelt?

Es gibt keine spezifischen Medikamente gegen das Virus. Der Fokus liegt auf der Linderung der Beschwerden und der Stabilisierung der Patienten.

Was tun bei Verdacht auf eine Infektion?

Haben Sie nach dem Kontakt mit Nagetier-Ausscheidungen Symptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden? Dann sollten Sie zum Arzt gehen.