Jugend-Suchtklinik vor dem Aus: 60 Therapieplätze bedroht
Jugend-Suchtklinik vor dem Aus: 60 Plätze bedroht

Die Dietrich Bonhoeffer Klinik in Ahlhorn (Niedersachsen), die größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche in Deutschland, steht kurz vor der Schließung. Betreiber ist die diakonische Leinerstift-Gruppe. Vorstand Wolfgang Vorwerk (59) erklärte gegenüber der Bild-Zeitung, dass die Einrichtung zum 30. Juni geschlossen werden solle, falls keine ausreichende Finanzierung gefunden werde. Derzeit verfügt die Klinik über 85 Reha-Plätze, von denen 60 bundesweit einmalig sind. Ein Wegfall dieser Plätze wäre ein schwerer Schlag für die betroffenen jungen Menschen.

Finanzierungsstreit als Ursache

Der Grund für die drohende Schließung ist ein Streit um die Vergütung. Bislang zahlen die Deutsche Rentenversicherung und die AOK Niedersachsen die Behandlungskosten. Nach Angaben von Vorwerk sind die Verhandlungen über eine Fortführung jedoch festgefahren. Die Klinik leide unter Unterfinanzierung, weshalb bereits ein Aufnahmestopp verhängt wurde. In den ersten Wochen nach Bekanntgabe der möglichen Schließung mussten zehn bis 15 junge Menschen abgewiesen werden. Vorwerk äußerte sich gegenüber der Bild-Zeitung: „Ich empfinde Ohnmacht, Wut und Enttäuschung darüber, dass es uns in Deutschland nicht gelingt, in dieser Situation eine Lösung zu finden.“

Reaktionen der Kostenträger

Die Deutsche Rentenversicherung und die AOK Niedersachsen wiesen die Vorwürfe der Unterfinanzierung zurück. Sie betonten, dass die Vergütungssätze bereits hoch seien. Eine Einigung scheint in weiter Ferne, während die Zeit drängt.

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Politischer Druck wächst

Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (48, CDU) setzt sich für den Erhalt der Klinik ein. Er sagte der Bild-Zeitung: „Die drohende Schließung der Dietrich Bonhoeffer Klinik darf nicht einfach hingenommen werden. Gerade bei jungen Menschen sehen wir, wie eng psychische Krisen, Abhängigkeit und riskante Konsummuster miteinander verbunden sind. Für diese Kinder und Jugendlichen braucht es spezialisierte Therapieangebote, die früh greifen und verlässlich tragen. Solche Plätze dürfen nicht wegbrechen.“ Streeck kündigte an, sich mit Nachdruck für eine tragfähige Finanzierung einzusetzen. Er warnte: „Wenn solche Türen einmal schließen, ist der Schaden für die Betroffenen oft kaum noch aufzuholen.“

Betroffene Jugendliche in Sorge

Einer der betroffenen Jugendlichen ist Nikita (18), der seit seinem 14. Lebensjahr Drogen konsumiert und in der Klinik lebt. Er und andere Patienten bangen um ihre Therapieplätze. Die Klinik bietet nicht nur Entzug, sondern auch psychosoziale Betreuung und langfristige Therapie. Ein Wegfall dieser Einrichtung würde viele Jugendliche ohne Alternative dastehen lassen.

Ausblick

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Kostenträger und der Betreiber doch noch einigen können. Der Druck aus der Politik und der Öffentlichkeit wächst. Sollte die Klinik schließen, wäre dies ein herber Rückschlag für die Suchttherapie bei jungen Menschen in Deutschland.

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