Deutsche Kinder haben ausgezeichnete Zähne, aber Parodontitis bleibt Problem
Kinderzähne in Deutschland: Weltklasse, aber Parodontitis-Sorgen

Deutsche Kinderzähne im internationalen Spitzenfeld

Die Zahngesundheit der Kinder in Deutschland erreicht nach aktuellen Daten ein herausragendes Niveau. Die sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie, die von 2021 bis 2023 durchgeführt wurde, belegt, dass der überwiegende Teil der Kinder kariesfreie Zähne besitzt. Deutschland positioniert sich damit im internationalen Vergleich als Weltklasse, wie Romy Ermler, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), bei der Vorstellung der Ergebnisse betonte.

Präventionserfolge durch Gruppen- und Individualprophylaxe

Die positive Entwicklung ist vor allem auf die seit Ende der 1980er Jahre etablierten Präventionsmaßnahmen zurückzuführen. Die Einführung der Gruppenprophylaxe in Kindergärten und Schulen sowie der Individualprophylaxe in Zahnarztpraxen hat zu einem dramatischen Rückgang der Karieslast geführt. Bei älteren Kindern sank die Kariesbelastung um beeindruckende 90 Prozent. Kinder, die bereits 2014 als kariesfrei galten und heute 20 Jahre alt sind, weisen im Durchschnitt maximal einen von Karies betroffenen Zahn auf.

Diese Erfolge setzen sich im Erwachsenenalter fort. Bei den 35- bis 44-Jährigen hat sich die Karieslast innerhalb von drei Jahrzehnten halbiert. Heutzutage fehlt dieser Altersgruppe im Schnitt lediglich ein Zahn. Ein großer Teil der Bevölkerung behält über viele Jahre alle eigenen Zähne, was auch auf die verbesserte Früherkennung und Behandlung von Parodontitis zurückzuführen ist.

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Parodontitis als Volkskrankheit mit ernsten Folgen

Trotz der erfreulichen Entwicklungen bei der Kariesprävention gibt es einen bedeutenden Problembereich: die Parodontitis. Martin Hendges, Vorstandschef der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), bezeichnete diese chronische Entzündung des Zahnhalteapparats als Volkskrankheit mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit.

Die Studienautoren schätzen, dass in Deutschland etwa 14 Millionen Menschen an einer schweren Parodontalerkrankung leiden. Unbehandelt kann Parodontitis nicht nur zum Zahnverlust führen, sondern auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen und Herzinfarkte erhöhen. Hendges sieht hier dringenden Handlungsbedarf und betont die Notwendigkeit einer möglichst frühen Behandlung.

Langfristige Zahngesundheit und individuelle Risikofaktoren

Die Studie unterstreicht den langfristigen Nutzen frühzeitiger Prävention. Kinder mit gesunden Zähnen haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, auch im Seniorenalter noch viele eigene Zähne zu behalten. Bei den 73- bis 82-Jährigen haben in den vergangenen knapp zehn Jahren 40 Prozent keinen Zahn verloren.

Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede bei Menschen mit chronischen Erkrankungen. Patienten mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erleiden überdurchschnittlich häufig Zahnverlust. Die Fachverbände fordern daher eine stärker risikoorientierte und personalisierte Präventionsstrategie.

Zahnarztangst als Hindernis für die Mundgesundheit

Ein weiterer Faktor, der die Mundgesundheit beeinflusst, ist die Angst vor Zahnbehandlungen. Die Studie ergab, dass etwa neun Prozent der Teilnehmer unter einer schweren Form dieser Angst bis hin zur Phobie leiden. Bei 16 Prozent ist die Angst moderat ausgeprägt. Drei Viertel der Erwachsenen geben hingegen an, keine Angst vor dem Zahnarztbesuch zu haben.

Die Deutsche Mundgesundheitsstudie, die mittlerweile zum sechsten Mal seit 1989 durchgeführt wurde, basiert auf Befragungen und zahnmedizinischen Untersuchungen von rund 3400 Menschen an 90 bundesweiten Standorten. Die Daten wurden gemeinsam von der Bundeszahnärztekammer, dem Institut der Deutschen Zahnärzte und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung analysiert.

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