Warnow Klinik Bützow startet Schutzschirmverfahren für Zukunft
Warnow Klinik Bützow startet Schutzschirmverfahren

Die finanzielle Lage der Warnow Klinik in Bützow spitzt sich erneut zu. Das Krankenhaus im Landkreis Rostock schreibt weiterhin rote Zahlen und treibt deshalb einen Strukturwandel voran. Um die medizinische Versorgung langfristig zu sichern, hat die Klinik ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Ziel ist es, die wirtschaftliche Neuaufstellung abzusichern und den geplanten Umbau zu einer sogenannten sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung (süV) voranzutreiben.

Wirtschaftlich schwierige Übergangsphase

„Dieses Verfahren schafft einen geordneten rechtlichen Rahmen, um notwendige Restrukturierungsschritte frühzeitig umzusetzen und die Transformation zur neuen Klinikstruktur abzusichern“, sagte Geschäftsführer Marco Krüger. „Wir gehen diesen Weg verantwortungsvoll, transparent und mit klarem Blick auf die Zukunft der regionalen Versorgung“, teilt die Warnow Klinik auf ihren sozialen Kanälen mit.

Hintergrund sind die finanziellen Herausforderungen vieler kleiner Krankenhäuser im Zuge der bundesweiten Krankenhausreform. Zwar eröffnet die Reform neue Versorgungsmodelle für ländliche Regionen, doch zentrale gesetzliche Regelungen zur Finanzierung und praktischen Umsetzung fehlen bislang. Für Einrichtungen wie die Warnow Klinik entsteht dadurch eine wirtschaftlich schwierige Übergangsphase.

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Die medizinische Versorgung dauerhaft sichern

Die Klinik verfolgt das Ziel, künftig stationäre Grundversorgung, ambulante Angebote sowie pflegerische und koordinierende Leistungen stärker miteinander zu verbinden. Dieses Modell der sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung gilt insbesondere für ländliche Regionen als möglicher Weg, die medizinische Versorgung dauerhaft zu sichern.

Nach Angaben der Klinik reicht die aktuelle Liquidität jedoch nicht aus, um die Zeit bis zur vollständigen Umsetzung der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen ohne zusätzliche Sanierungsmaßnahmen zu überbrücken. Deshalb habe sich die Geschäftsführung für ein Schutzschirmverfahren entschieden. Das Verfahren ermöglicht Unternehmen, sich unter gerichtlichem Schutz neu aufzustellen, ohne dass bereits Zahlungsunfähigkeit vorliegt.

Amtsgericht Rostock hat dem Verfahren zugestimmt

Das zuständige Amtsgericht Rostock hat dem Verfahren bereits zugestimmt. Der Klinikbetrieb soll währenddessen uneingeschränkt weiterlaufen. Auch für die rund 150 Beschäftigten gebe es zunächst keine personellen Einschnitte. Die Löhne und Gehälter werden während des Verfahrens über die Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Die Geschäftsführung verweist auf fehlende konkrete Regelungen zur Vergütung der neuen süV-Strukturen. Nach aktuellem Stand können Umwandlungen durch eine bundesrechtliche Regelung im Krankenhausanpassungsgesetz (KHAG) nur zum Jahreswechsel erfolgen. Vergütungsstrukturen für den laufenden Betrieb treten demnach erst zum 1. Januar 2027 in Kraft. Für kleinere Häuser wie Bützow bedeutet das, dass die bisherigen Strukturen nicht kostendeckend geführt werden können, die Zielstruktur aber noch nicht vollständig finanziert ist.

Kritik aus der Landespolitik

Kritik kommt deshalb aus der Landespolitik. Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese sieht die aktuelle Gesetzeslage des Bundes als Hindernis für notwendige Reformen. „Diese starre Regelung im KHAG gefährdet gewollte Anpassungsprozesse und ist nicht im Sinne der Krankenhausreform“, sagt sie. Drese kündigte an, sich erneut an das Bundesgesundheitsministerium zu wenden, um Übergangslösungen zu erreichen.

Warnow Klinik wurde Anfang 2024 übernommen

Die Warnow Klinik war Anfang 2024 vom Gesundheitsunternehmen Curiates übernommen worden. Seitdem wurden verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung und Reorganisation eingeleitet. Trotz erheblicher finanzieller Unterstützung durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Hausbank blieb die wirtschaftliche Situation jedoch angespannt. Nach Einschätzung der Klinikleitung soll das Schutzschirmverfahren nun den notwendigen Spielraum schaffen, um die geplante Transformation umzusetzen und die medizinische Versorgung im Bützower Land langfristig zu erhalten.

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