Die ADAC-Luftrettung schlägt Alarm: Das geplante Krankenkassen-Sparpaket der Bundesregierung könnte nach Ansicht des Automobilclubs die flächendeckende Einsatzfähigkeit der Luftrettung gefährden. Der Dienst sei bereits heute auf Spenden angewiesen, und eine weitere Unterfinanzierung drohe.
Drohende Einschränkungen und Stationsschließungen
Frédéric Bruder, Vorsitzender der Geschäftsführung der ADAC-Luftrettung, warnte: „Sollte der Gesetzentwurf unverändert umgesetzt werden, drohen mittelfristig Einschränkungen von Leistungen oder sogar die Schließung einzelner Luftrettungsstationen.“ Dies gefährde die flächendeckende Einsatzfähigkeit der Luftrettung. Besonders betroffen wären demnach ländliche und strukturschwache Regionen, in denen die Luftrettung häufig eine entscheidende Rolle bei lebensbedrohlichen Notfällen spielt, weil es dort weniger Rettungswachen und Krankenhäuser gibt.
Kritik an der Reform
Bruder kritisierte, dass die absehbaren Folgen für die Notfallversorgung im Entwurf der Reform nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Eine Korrektur sei dringend erforderlich. Im Kern geht es um die im Gesetzentwurf vorgesehene Begrenzung von Vergütungssteigerungen. Die Koalition setzt dabei auf eine „einnahmenorientierte Ausgabenpolitik“, um zu verhindern, dass die Krankenkassen mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen. Die Vergütungen für Leistungserbringer wie die Luftrettung, aber auch Ärzte und Krankenhäuser, sollen sich nicht mehr am Wachstum der sogenannten Grundlohnrate orientieren.
Hintergrund: Kostensteigerungen im Gesundheitswesen
Hintergrund sind die teils erheblichen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen der vergangenen Jahre. Auch die Ausgaben für Rettungseinsätze waren stark gewachsen. Allerdings machen die Ausgaben für Luftrettung laut einer Auswertung der AOK nur einen winzigen Bruchteil aus. Zudem seien die Ausgaben für Luftrettung unterdurchschnittlich gewachsen. Bereits jetzt sei die Luftrettung teilweise auf Spenden angewiesen. Bei Umsetzung des Gesetzes wäre die Luftrettung dauerhaft strukturell unterfinanziert. Kurzfristige Einsparungen seien kaum möglich, da Investitionen in Hubschrauber, medizinische Ausstattung und Rettungsstationen über Jahrzehnte geplant werden.
Steigende Anforderungen bei gedeckelter Finanzierung
Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Luftrettung durch immer längere Transportwege für die Patienten. „Mehr Verantwortung und mehr Einsätze bei gleichzeitig gedeckelter Finanzierung – das steht in einem klaren Widerspruch“, so Bruder. Im vergangenen Jahr flog die ADAC-Luftrettung nach eigenen Angaben knapp 49.000 Einsätze, minimal weniger als im Jahr 2024. Für sie und ihre Tochterunternehmen arbeiten bundesweit rund 1.500 Menschen, darunter 180 Piloten und rund 670 Notärzte.
Das Sparpaket im Überblick
Das Sparpaket soll für stabile Beiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen sorgen. Geplant sind darin Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche, aber auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Der ADAC fordert Nachbesserungen, um die Luftrettung nicht zu gefährden.



