Dialyse-Patient soll plötzlich 1.500 Euro im Monat selbst zahlen
Dialyse-Patient: 1.500 Euro Selbstzahlung monatlich

Verzweifelte Familie: Skandal um Krankenfahrten

Dreimal wöchentlich muss ein nierenkranker Patient aus dem Neubrandenburger Umland zur Dialyse. Doch der anhaltende Vergütungsstreit zwischen Krankenkassen und Fahrdiensten gefährdet seine Behandlung und belastet die Familie finanziell und emotional schwer.

Kraftakt in Dauerschleife

Im Wechsel mit ihrer Schwester übernimmt Mandy Nikolaczek dreimal wöchentlich die Dialyse-Fahrten für ihren Vater Gerd Nikolaczek. Der 73-Jährige aus Brunn bei Neubrandenburg leidet an Nierenversagen und ist auf die lebenswichtige Behandlung angewiesen. Doch seit der bisherige Fahrdienst im April seine Leistungen einstellte, müssen die Töchter einspringen. „Wir wissen nicht, wie lange wir das stemmen können“, sagt Mandy Nikolaczek. Sie holt ihren Vater früh um 6 Uhr ab, fährt ihn zum Nierenzentrum und bringt ihn mittags zurück. Das muss mit dem Berufsalltag vereinbart werden und kostet Zeit und Geld.

Hintergrund des Konflikts

Der Landesverband für das Taxi- und Mietwagengewerbe hatte nach gescheiterten Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen die Rahmenvereinbarung für Krankenfahrten gekündigt. Obwohl zwischen mehreren Krankenkassen und rund 200 von 450 Unternehmen Einzelvereinbarungen geschlossen wurden, leiden viele Patienten unter den Folgen: Krebspatienten in Chemotherapie, Rheuma- und Schmerzpatienten sowie Nierenkranke, die auf Dialyse angewiesen sind, bleiben oft auf der Strecke.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hoffnungen zerschlagen sich

Die Familie Nikolaczek wandte sich an die Krankenkasse des Vaters, erhielt aber nur eine Liste von Unternehmen, von denen viele keine neuen Patienten aufnahmen oder gar nicht mehr für Krankenfahrten zur Verfügung standen. Der Rat, in Vorkasse zu gehen, würde monatlich fast 1500 Euro kosten. „Da reicht noch nicht mal die Rente“, stellt Mandy Nikolaczek erschüttert fest. „50 Jahre war mein Vater nie krank, aber jetzt, wo es ihm schlecht geht, werden wir im Stich gelassen. So darf doch ein Menschenleben nicht abgewertet werden.“

Auswirkungen auf Patienten

Zu den Beschwernissen der Krankheit kommen nun kräftezehrende Sorgen und logistische Herausforderungen. Manche Mitpatienten, die Gerd Nikolaczek im Dialysezentrum traf, blieben zunächst fern. Andere greifen auf ihre Ersparnisse zurück, um die Fahrten zu finanzieren. Die Familie ist verzweifelt und fragt sich, wie lange sie diese Belastung durchhalten kann.

Ein Hoffnungsschimmer ist das Signal der Taxi- und Mietwagenunternehmen, ihre Tarifforderung zu mindern. Doch der Unmut bleibt, dass in Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Vergütungen für Krankenfahrten gezahlt werden – bis zu 30 Prozent unter dem Niveau anderer Bundesländer. Dies birgt weiteres Konfliktpotenzial zum Nachteil der Patienten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration