Keytruda: Ein Rettungsschirm für Krebspatienten, doch das Gesundheitssystem ächzt
Das Krebsmedikament Keytruda wird für viele Patienten zu einem lebensrettenden Hoffnungsträger, während es gleichzeitig das deutsche Gesundheitssystem vor immense finanzielle Herausforderungen stellt. Für Betroffene wie Josephina Kersten ist die Therapie ein entscheidender Wendepunkt im Kampf gegen die Krankheit.
Eine persönliche Geschichte der Hoffnung
Josephina Kersten, 30 Jahre alt und Mutter zweier Kleinkinder, erhielt die Diagnose eines triple-negativen Mammakarzinoms, einer besonders aggressiven Form von Brustkrebs. "Als es dann hieß, das ist Krebs und muss mit einer Chemotherapie behandelt werden, habe ich erst gemerkt: Okay, es ist wirklich Krebs. Der kann mich umbringen", erinnert sie sich. Neben der Chemotherapie erhielt sie über Monate hinweg Keytruda, das sie als ihren "Rettungsschirm" bezeichnet. Trotz schwerer Nebenwirkungen wie Haarausfall und dem Verlust der Augenbrauen betont sie: "Trotz Nebenwirkungen, von denen ich einige über die Monate mitgenommen habe, würde ich es immer wieder so machen."
Gamechanger in der Krebstherapie mit hohen Kosten
Der Wirkstoff Pembrolizumab in Keytruda gilt als Gamechanger in der modernen Krebstherapie. Er aktiviert das eigene Immunsystem, um Krebszellen effektiver zu erkennen und zu zerstören. Doch diese innovative Behandlung hat ihren Preis: Die Therapie von Josephina Kersten kostete mehr als 90.000 Euro. Keytruda ist das umsatzstärkste Medikament der Welt, hergestellt vom US-amerikanischen Unternehmen MSD.
Das Problem liegt im deutschen System: Pharmafirmen wie MSD können die Preise für neue Medikamente zunächst frei festsetzen. Verhandlungen mit den Krankenkassen beginnen erst nach sechs bis zwölf Monaten. "Dass die Krankenkassen diese Medikamente bezahlen, ist richtig, und das ist ja auch gut so. Aber es ist eben auch ein Problem", erklärt eine Expertin. Recherchen haben ergeben, dass Pharmafirmen die Preise künstlich hochhalten, was letztlich von den Beitragszahlern finanziert wird.
Suche nach Lösungen für ein nachhaltiges System
Während Josephina Kersten in ihrer Therapiezeit erlebte, wie ihr Sohn seine ersten Schritte machte – Momente, die unbezahlbar sind –, wächst die Sorge um die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat eine Expertenkommission einberufen, die im März 66 konkrete Vorschläge zur Rettung des Systems vorgelegt hat. Dazu gehört die Empfehlung, Medikamentenpreise massiv zu beschneiden. Allein mit drei Maßnahmen könnten bis zu sieben Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden.
Die Debatte um Keytruda symbolisiert somit einen größeren Konflikt: Wie können lebensrettende Innovationen wie Immuntherapien für Patienten zugänglich bleiben, ohne das Gesundheitssystem zu überlasten? Für Patienten wie Josephina Kersten bleibt Keytruda ein unverzichtbarer Rettungsschirm, doch die Suche nach fairen Preisen und nachhaltigen Lösungen ist dringender denn je.



