Studie enthüllt: Sechs vermeidbare Risikofaktoren für Brustkrebs-Todesfälle identifiziert
Sechs vermeidbare Risikofaktoren für Brustkrebs-Todesfälle

Brustkrebs: Viele Todesfälle durch veränderbare Lebensgewohnheiten vermeidbar

Die Diagnose Brustkrebs ist für Betroffene ein schwerer Schock, doch sie muss kein Todesurteil bedeuten. Eine aktuelle internationale Studie kommt zu einem ermutigenden Ergebnis: Ein erheblicher Teil der Todesfälle durch Brustkrebs wäre durch gezielte Präventionsmaßnahmen vermeidbar. Die Forschungsergebnisse wurden im renommierten Fachjournal »The Lancet Oncology« veröffentlicht und bieten neue Perspektiven für die Krebsvorsorge.

Sechs beeinflussbare Risikofaktoren identifiziert

Das Forschungsteam um Lisa Force von der University of Washington in Seattle analysierte umfangreiche globale Daten zum Brustkrebsgeschehen. Im Jahr 2023 wurden weltweit 2,3 Millionen neue Brustkrebs-Erkrankungen diagnostiziert, 764.000 Frauen starben an den Folgen der Krankheit. Die Wissenschaftler berechneten, welchen Anteil vermeidbare Risikofaktoren an den insgesamt 24 Millionen gesunden Lebensjahren hatten, die 2023 durch Brustkrebs-Erkrankungen oder frühzeitige Todesfälle verloren gingen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der verlorenen gesunden Lebensjahre lassen sich auf sechs beeinflussbare Faktoren zurückführen:

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  • Verzehr von rotem Fleisch (11 Prozent Anteil) – Fleisch von Rind, Schwein, Ziege und Schaf
  • Rauchen inklusive Passivrauchen (8 Prozent Anteil)
  • Hoher Blutzuckerspiegel (6 Prozent Anteil)
  • Übergewicht (hoher Body-Mass-Index mit 4 Prozent Anteil)
  • Hoher Alkoholkonsum (2 Prozent Anteil)
  • Wenig körperliche Bewegung (2 Prozent Anteil)

»Diese Erkenntnisse bedeuten, dass ein gesunder Lebensstil ohne Rauchen, mit regelmäßiger Bewegung und einem normalen Körpergewicht den Verlust gesunder Lebensjahre durch Brustkrebs erheblich reduzieren kann«, erklärt das Forschungsteam. Allerdings betonen die Wissenschaftler auch, dass genetische und andere nicht beeinflussbare Faktoren weiterhin eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs spielen.

Globale Entwicklungen und regionale Unterschiede

Die Studie zeigt interessante zeitliche Entwicklungen: Zwischen 1990 und 2023 hat sich die Krankheitslast durch die Risikofaktoren Alkohol und Tabak deutlich verringert – um 47 beziehungsweise 28 Prozent. Bei den anderen identifizierten Faktoren gibt es bislang allerdings keine vergleichbar positive Entwicklung.

Brustkrebs bleibt bei Frauen die häufigste Krebsart weltweit. Die Prognosen sind alarmierend: Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen voraussichtlich um ein Drittel auf 3,5 Millionen steigen. Die Zahl der Todesfälle wird ebenfalls zunehmen, auf fast 1,4 Millionen pro Jahr.

Erstautorin Kayleigh Bhangdia von der University of Washington weist auf besorgniserregende regionale Unterschiede hin: »Während Frauen in reicheren Ländern in der Regel von Vorsorgeuntersuchungen, frühzeitiger Diagnose und umfassenden Behandlungsstrategien profitieren, verlagert sich die zunehmende Belastung durch Brustkrebs in ärmere und Schwellenländer. Dort wird die Krankheit oft erst in einem späteren Stadium diagnostiziert, und die Betroffenen haben nur eingeschränkten Zugang zu guter Versorgung.«

Situation in Deutschland: Mehr Fälle, aber bessere Überlebenschancen

Die Studie liefert auch detaillierte Daten für Deutschland. Die um Alterseffekte bereinigte Inzidenz – also die Zahl der Brustkrebsfälle pro 100.000 Frauen – ist zwischen 1990 und 2023 um knapp 22 Prozent auf rund 100 gestiegen. Gleichzeitig ist die ebenfalls altersbereinigte Sterblichkeitsrate im gleichen Zeitraum um etwa 23 Prozent auf etwa 22 gesunken.

Dem Robert Koch-Institut zufolge gibt es pro Jahr in Deutschland etwa 75.000 Neuerkrankungen. Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, etwa 18.500 Frauen sterben jährlich daran. Damit bleibt Brustkrebs auch hierzulande die häufigste Krebsart bei Frauen.

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Potenzial für gezielte Präventionsstrategien

Die beteiligte Forscherin Marie Ng von der National University of Singapore betont das enorme Präventionspotenzial: »Da mehr als ein Viertel der weltweiten Brustkrebsfälle mit sechs veränderbaren Lebensgewohnheiten in Verbindung stehen, gibt es enorme Möglichkeiten, das Brustkrebsrisiko für die nächste Generation zu senken.«

Die Studienergebnisse bieten konkrete Ansatzpunkte für die Gesundheitspolitik und individuelle Beratung. So könnten Maßnahmen zur Reduzierung von Übergewicht, zur Senkung des Blutzuckerspiegels und zur Förderung eines gesunden Lebensstils gezielter ausgerichtet werden. Gleichzeitig verbessern sich die medizinischen Therapiemöglichkeiten ständig – wer sich in einem spezialisierten Zentrum behandeln lässt, hat nachweislich bessere Überlebenschancen.

Die zentrale Botschaft der Studie lautet: Brustkrebs-Prävention beginnt im Alltag. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung, Verzicht auf Rauchen und moderatem Alkoholkonsum kann das Risiko erheblich reduzieren – sowohl vor als auch nach einer Erkrankung.