Australische Studie stellt Sicherheit von E-Zigaretten infrage
Eine bahnbrechende wissenschaftliche Untersuchung aus Australien kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: E-Zigaretten könnten eigenständig Krebs verursachen, insbesondere in Lunge und Mundhöhle. Die im Fachjournal „Carcinogenesis“ veröffentlichte Studie stellt die weitverbreitete Annahme in Frage, dass Dampfen eine sichere Alternative zum traditionellen Rauchen darstellt.
Biomarker statt jahrzehntelanger Wartezeit
Das Forschungsteam um den Krebsforscher Bernard Stewart von der University of New South Wales in Sydney wählte einen innovativen Ansatz. Statt auf epidemiologische Beweise zu warten, die bei der relativ jungen Verbreitung von E-Zigaretten noch Jahrzehnte benötigen würden, analysierten die Wissenschaftler klinische Daten, Laborexperimente und Tierstudien. Der Fokus lag auf sogenannten Biomarkern – frühen Warnsignalen im menschlichen Körper.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Menschen, die regelmäßig dampfen, nehmen Schwermetalle und andere chemische Substanzen auf, welche die DNA schädigen und Entzündungsprozesse auslösen können. Beide Mechanismen gelten als charakteristische Merkmale der Krebsentstehung.
Besorgniserregende Ergebnisse aus Tierversuchen
„Es besteht kein Zweifel, dass die Zellen und Gewebe der Mundhöhle und der Lunge durch das Einatmen von E-Zigaretten verändert werden“, betont Studienleiter Stewart. Tierversuche untermauern diese Erkenntnisse: Mäuse, die E-Zigaretten-Aerosolen ausgesetzt waren, entwickelten Lungentumore in signifikant höheren Raten als Kontrollgruppen. Zudem wurden Veränderungen in der Blase festgestellt, die mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden.
Obwohl die Studie keine konkreten Zahlen zum individuellen Krebsrisiko liefern kann, weist Stewart auf die konsistenten Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen des letzten Jahrzehnts hin: „Wenn man alle Erkenntnisse betrachtet, dann werden E-Zigaretten wahrscheinlich Lungenkrebs und Mundkrebs verursachen.“
Besonders riskant: Die Doppelnutzung
Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft die sogenannte Doppelnutzung, bei der Konsumenten sowohl herkömmliche Zigaretten als auch E-Zigaretten verwenden. Laut Co-Autor Freddy Sitas, Epidemiologe an derselben Universität, haben Personen, die sowohl dampfen als auch rauchen, ein vierfach erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Mehr als die Hälfte aller Nutzer könne keine der beiden Gewohnheiten vollständig aufgeben.
Gesundheitsexperten betonen jedoch, dass diese Erkenntnisse nicht als Aufforderung verstanden werden sollten, zum traditionellen Rauchen zurückzukehren. Herzömmliche Zigaretten bleiben nach wie vor weitaus schädlicher. Sitas resümiert: „Wir sind immer davon ausgegangen, dass Dampfen sicherer ist als Zigaretten, aber was wir zeigen, ist, dass es möglicherweise doch nicht sicher ist.“
Auswirkungen auf Industrie und Gesundheitspolitik
Die Studie setzt eine milliardenschwere Industrie unter erheblichen Druck und stellt gleichzeitig Gesundheitsstrategien infrage, die auf E-Zigaretten als vermeintlich harmlosere Alternative setzen. Die Forschungsergebnisse könnten weitreichende Konsequenzen für Regulierungsbehörden, Gesundheitskampagnen und die öffentliche Wahrnehmung von Dampfprodukten haben.



