Junge Frau aus Waging am See benötigt dringend Stammzellspende
Das Leben der 18-jährigen Tanja aus Waging am See im Landkreis Traunstein hat sich innerhalb weniger Wochen komplett verändert. Kurz nach den Silvesterfeierlichkeiten erhielt die junge Frau die niederschmetternde Diagnose: akute Leukämie. Nun beginnt der Wettlauf gegen die Zeit, um einen passenden Stammzellspender zu finden.
Vom Alltag in den Ausnahmezustand
Tanja, die eigentlich mitten in ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau steckt, musste ihr normales Leben abrupt unterbrechen. "Es war ein gscheider Schock", berichtet ihr Bruder Simon Ostermann im Gespräch. Die lebensfrohe junge Frau, die sich seit Jahren ehrenamtlich bei der Wasserwacht und Feuerwehr engagiert sowie Mitglied beim Bayerischen Roten Kreuz ist, verbringt nun ihre Tage im Krankenhaus.
Die Leukämie wurde eher zufällig entdeckt, nachdem Tanja leichte Knieschmerzen hatte und daraufhin umfangreiche Laboruntersuchungen durchgeführt wurden. Seit der Diagnose erhält sie intensive Chemotherapie und muss aufgrund ihres geschwächten Immunsystems isoliert leben. Kontakt zu größeren Menschenmengen ist strikt zu vermeiden, um Infektionsrisiken zu minimieren.
Große Solidarität, aber noch kein passender Spender
Die Hilfsbereitschaft in der Region ist enorm: Das Bayerische Rote Kreuz, die Feuerwehr und die Wasserwacht haben bereits mehrere Typisierungsaktionen organisiert. Über 1.600 Personen haben entsprechende Aufrufe allein auf Facebook geteilt. Dennoch wurde bisher kein genetisch passender Spender für Tanja gefunden – auch innerhalb der Familie gibt es keine geeigneten Kandidaten.
"Man kann helfen, indem man sich bei der DKMS oder der AKB registriert", betont Tanjas Bruder. "Es ist nicht nur für Tanja wichtig, sondern für alle Betroffenen, die an Leukämie erkrankt sind." Das Bayerische Rote Kreuz unterstreicht: "Je mehr Menschen typisiert sind, desto größer ist die Chance, für Betroffene einen genetisch passenden Spender zu finden."
Zweiter Fall innerhalb des BRK
Besonders tragisch: Innerhalb des Bayerischen Roten Kreuzes gibt es aktuell einen zweiten Leukämie-Fall. Anne (38) aus dem Kreisverband Rosenheim, bei der der Krebs zurückgekehrt ist, benötigt ebenfalls dringend einen Stammzellspender. Beide Schicksale verdeutlichen, wie wichtig eine breite Registrierungsbasis ist.
So funktioniert die Typisierung
Eine Registrierung als potenzieller Stammzellspender ist laut BRK "einfach, kostenlos und schmerzfrei". Die Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) und andere anerkannte Stammzellspenderdateien bieten zwei Möglichkeiten:
- Abstrich der Mundschleimhaut mit einem Tupfer
- Blutentnahme für eine Probe
Die DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) gibt klare Altersbeschränkungen vor: Gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren können sich registrieren lassen. 17-Jährige werden ab ihrem 18. Geburtstag aktiviert, die Altersgrenze für eine tatsächliche Spende liegt bei 61 Jahren.
Statistische Wahrscheinlichkeit und medizinischer Hintergrund
Die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich als Spender in Frage zu kommen, liegt bei etwa einem Prozent – also bei einem von 100 registrierten Personen. Dennoch ist jede Registrierung wertvoll, wie die aktuellen Fälle zeigen.
Leukämie, umgangssprachlich als Blutkrebs bezeichnet, ist ein Sammelbegriff für verschiedene bösartige Erkrankungen des blutbildenden Systems. Dabei vermehren sich entartete Zellen unkontrolliert und verdrängen gesunde Blutzellen. Die Folgen sind gravierend:
- Rote Blutkörperchen können nicht mehr ausreichend Sauerstoff transportieren
- Weiße Blutkörperchen verlieren ihre Infektionsabwehr-Funktion
- Blutplättchen können Blutungen nicht mehr stoppen
Familienalltag im Ausnahmezustand
Tanjas Familie versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen – bei gemeinsamen Mahlzeiten, Spieleabenden oder beim Training mit ihrem neuen Hund. Besondere Vorsicht ist geboten: Zu Fasching verfolgte die Familie das bunte Treiben aus einem abgeschotteten Laden heraus, damit Tanja "ein bisserl dabei sein kann, aber eben nicht mittendrin ist".
Die überwältigende Unterstützung aus der Gemeinschaft gibt Tanja Kraft. "Sie findet es stark, dass so viele helfen, und das macht sie glücklich", sagt ihr Bruder. "Sie würde sich am liebsten bei jedem Einzelnen bedanken."
Während Tanja gegen den Blutkrebs kämpft, hofft ihre Familie auf einen passenden Spender – und appelliert an die Solidarität aller, die sich registrieren lassen können. Denn jede neue Registrierung erhöht nicht nur Tanjas Chancen, sondern die aller Leukämie-Patienten, die auf eine lebensrettende Stammzellspende warten.



