Faustino Oro aus Argentinien, bekannt als der „Messi des Schachs“, hat einen weiteren Meilenstein in seiner noch jungen Karriere erreicht. Der erst zwölf Jahre alte Schachspieler ist nun der zweitjüngste Großmeister der Geschichte. Nur knapp verpasste er den Rekord des US-Amerikaners Abhimanyu Mishra, der den Titel 2021 im Alter von 12 Jahren, 4 Monaten und 25 Tagen errang. Oro ist mit 12 Jahren, 6 Monaten und 26 Tagen nur zwei Monate älter.
Der Weg zum Großmeistertitel
Am vergangenen Wochenende gelang Oro der entscheidende Schritt. Beim World Chess Festival auf Sardinien erfüllte er die dritte und letzte Norm für den Großmeistertitel. Mit einem Sieg gegen den Internationalen Meister Bartlomiej Niedbala in der vorletzten Runde sicherte er sich die erforderliche Norm. Am Ende belegte er mit sechs von neun möglichen Punkten den 19. Platz unter 160 Teilnehmern. Der deutsche Großmeister Frederik Svane gewann das Turnier.
Oro: „Sehr, sehr glücklich“
In einem Interview mit „ChessBase India“ zeigte sich Oro überglücklich: „Ich habe meine letzte Norm. Jetzt bin ich ein Großmeister, ich bin sehr, sehr glücklich.“ Sein Traum sei es, Weltmeister zu werden, aber er wisse, dass dies noch ein langer Weg sei. Oro wuchs in Buenos Aires auf, zog jedoch mit seiner Familie nach Badalona in Spanien, da es in Südamerika an hochkarätigen Turnieren mangelt. In Europa sind die Entwicklungsmöglichkeiten deutlich besser.
Bekanntheit durch Online-Erfolge
Neben seinen Leistungen bei klassischen Turnieren machte Oro auch online auf sich aufmerksam. Im März 2024 besiegte er Schachsuperstar Magnus Carlsen in einer Bullet-Partie, einer Schnellschachvariante mit sehr wenig Bedenkzeit. In seiner Heimat wird er aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten mit Fußball-Legende Lionel Messi verglichen und als „Messi des Schachs“ bezeichnet. Bereits im Januar 2024 besuchte Oro Carlsen in Oslo und spielte mehrere Partien mit ihm. Carlsen lobte ihn als „großartigen Spieler“ mit einem „wunderbaren Positionsgefühl“, das bei so jungen Spielern selten sei.
Rekord knapp verpasst
Oro hätte sogar den Rekord als jüngster Großmeister brechen können. Im März 2024 verpasste er jedoch die letzte Chance auf die entscheidende Norm bei einem stark besetzten Turnier in Moskau. Rekordhalter Mishra hatte sich für seine letzte Norm 2021 ein schwächer besetztes Turnier ausgesucht und wurde stark von seinem Vater unterstützt. Oros Vater hingegen betonte stets, seinem Sohn keinen Druck machen zu wollen.
Warum Schachtalente immer jünger werden
Dass Schachtalente immer jünger werden, ist laut dem deutschen Großmeister Sebastian Siebrecht vor allem dem Internet zu verdanken: „Durch die digitalen Medien haben die Kinder einen viel einfacheren und schnelleren Zugriff auf Informationen.“ Diese Entwicklung ermöglicht es jungen Spielern wie Oro, sich schneller zu verbessern und frühzeitig Höchstleistungen zu erzielen.



