Die ARD-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ sorgt aktuell mit einer dramatischen Handlung um die Kardiologin Prof. Dr. Maria Weber für Aufsehen. Nach einem Bootsunfall wird die an einem Hirntumor erkrankte Ärztin für hirntot erklärt. Ihr Herz soll dem schwer kranken Sohn ihres Kollegen Roland Heilmann transplantiert werden. Doch wie realistisch ist diese Darstellung? Ein Herzchirurg hat die Folgen unter die Lupe genommen.
Echter Herzchirurg bewertet die Serie
Auf Bitten der „Rheinischen Post“ analysierte Professor Udo Boeken, Bereichsleiter für Herztransplantationen am Universitätsklinikum Düsseldorf, die entsprechenden Szenen. Sein Fazit: „Einiges ist korrekt recherchiert, aber mehrere Sachverhalte sind falsch und total unrealistisch.“
Fehler bei LVAD-System und Infektion
In der Serie erhält Jakob Heilmann ein linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD). Als eine Kanüle eine schwere Infektion verursacht, prophezeien die Ärzte den Tod innerhalb weniger Stunden. Boeken widerspricht: „Wenn das LVAD sonst gut läuft, stimmt der zeitliche Ablauf nicht.“ Patienten mit einer LVAD-Infektion würden oft monatelang im Status HU (high urgent) warten. Die Infektion sei zwar lebensbedrohlich, führe aber nicht nach Stunden oder Tagen zum Tod. Behandelt werde sie mit Antibiotika oder Blutverdünnern.
Unrealistischer Telefonanruf bei Eurotransplant
Eine Szene, in der die fiktive Organisation „Neotransplant“ per Telefon über eine Höherstufung informiert wird, sei völlig realitätsfern. Boeken erklärt: „Solche Statusänderungen erfolgen per Eingabe vieler Parameter in eine Datenbank bei Eurotransplant, mit E-Mails und anschließender mehrstündiger Prüfung durch drei Auditoren.“
Größen-Mismatch bei Spenderherz
Dass das Herz der zierlichen Maria Weber in den kräftigen Jakob Heilmann transplantiert werden soll, hält der Chirurg für unrealistisch. „Niemals würde ein Spenderherz einer zierlichen Frau für einen großen männlichen Empfänger in Frage kommen“, so Boeken. Dies führe zu einem Größen-Mismatch, das meist nicht funktioniere.
Weitere Ungenauigkeiten bei Entnahmeteams
Die Darstellung der Entnahmeteams sei ebenfalls fehlerhaft. In der Realität reisen Teams nie gemeinsam an, jedes Team habe großes Equipment – nicht nur eine einzelne Transportbox. Zudem seien Styroporboxen nicht mehr Standard für den Organtransport. Auch die Abläufe seien drastisch verkürzt: Teams würden Protokolle und Daten vorab akribisch studieren, nicht während des sterilen Waschens vorgelesen bekommen.
Dennoch oft gute Recherche
Der Mediziner räumt ein, dass in den meisten Fällen medizinische Sachverhalte sorgfältig behandelt werden. So seien Diagnostik und Therapie bei Morbus Fabry oder einem Fieberschub nach Afrika-Aufenthalt korrekt dargestellt. Die neuen Folgen laufen dienstags um 21 Uhr im Ersten und in der ARD-Mediathek.



