Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz aus dem Takt gerät
Herzrhythmusstörungen: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Unser Herz schlägt normalerweise 60- bis 80-mal pro Minute. Schwankungen im Tagesverlauf sind ebenso normal wie ein langsamerer Herzschlag bei trainierten Sportlern. Doch wenn der Rhythmus dauerhaft abweicht, sollte dies medizinisch abgeklärt werden, betont Prof. Dr. Jasmin Ortak, Leiterin der Rhythmologie und klinischen Elektrophysiologie an der Universitätsmedizin Rostock.

Vorhofflimmern: Die häufigste Störung

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern. Schätzungen zufolge leiden bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland darunter, vorwiegend Ältere. Begünstigende Faktoren sind Bewegungsmangel, Übergewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum, Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen wie Herzmuskelschwäche oder koronare Herzkrankheit sowie mehrere gleichzeitig auftretende Erkrankungen, so Prof. Ortak.

Doch auch junge, sportlich aktive Menschen können betroffen sein, ergänzt Dr. Imke Wendig, Oberärztin der Chest-Pain-Unit an der Rostocker Universitätsmedizin. Das Vorhofflimmern kann völlig überraschend auftreten. Manche Patienten bemerken es selbst und suchen einen Kardiologen auf oder kommen in die Notaufnahme.

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Symptome und Diagnose

Die Symptome sind vielfältig und können auch ganz fehlen. Betroffene berichten von Herzrasen, unregelmäßigem Herzschlag oder spürbarem Herzklopfen. Anderen fällt eine verminderte körperliche Belastbarkeit, Abgeschlagenheit oder Zittern auf. Wieder andere leiden unter Atemnot, Benommenheit, Schwindel oder Brustschmerzen.

Die Diagnose kann oft bereits der Hausarzt mittels Elektrokardiogramm (EKG) stellen und gegebenenfalls eine Therapie einleiten. Bei jüngeren Patienten oder wenn Genussmittel ursächlich sind, kann eine Lebensstiländerung ausreichen, um den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei häufigem Vorhofflimmern sind weitere Maßnahmen nötig. Akut werden Blutverdünner verabreicht, um das Schlaganfallrisiko zu senken. In schwereren Fällen wird in der Notaufnahme versucht, das Herz mit einem Elektroschock wieder in einen gleichmäßigen Rhythmus zu bringen. Anschließend können Medikamente die Störungen unterdrücken oder die Beschwerden lindern. Parallel sollten Risikofaktoren reduziert werden.

Interventionelle Therapien

Prof. Ortak nennt interventionelle Optionen wie die Katheterablation, bei der mit Hitze elektrisch aktive Bereiche im linken Herzvorhof verödet werden. Dieses Verfahren ist seit über 20 Jahren etabliert. Auch eine Kryoballonablation mittels Kälte ist möglich. Seit einigen Jahren kommt die Elektroporation zum Einsatz, bei der ultraschnelle elektrische Pulse gezielt die störenden Herzzellen veröden. Dieses schonende Verfahren wird in spezialisierten Kliniken wie der Rostocker angewandt, kommt aber nicht für jeden Patienten infrage.

Bradykardie und Tachykardie

Neben unregelmäßigen Rhythmen kann das Herz auch zu langsam (Bradykardie, unter 60 Schlägen pro Minute) oder zu schnell (Tachykardie, über 100 Schläge pro Minute) schlagen. Ursachen einer Bradykardie können im Herzen liegen oder durch Medikamente bedingt sein. Symptome sind Schwindel, Übelkeit, Luftnot oder Bewusstlosigkeit. Behandelt wird je nach Ursache, unter Umständen mit einem Herzschrittmacher.

Tachykarde Störungen haben meist Ursachen im Herzen selbst. Die Symptome ähneln denen des Vorhofflimmerns: Herzpochen, -rasen, Unruhe, Nervosität oder Angst. Zur Behandlung kommen Medikamente, Ablation oder ein Defibrillator infrage.

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