Warum die Jägerbezeichnung „Gehörn“ eigentlich falsch ist
Jägerbezeichnung „Gehörn“ ist falsch

Eine Wanderung durch die Randowniederung, zehn Kilometer nordöstlich von Pasewalk, beginnend vom Naturschutzgebiet Großer Koblentzer See nach Borken, bietet nicht nur Naturerlebnisse, sondern auch tiefe Einblicke in die Tierwelt und Wissenswertes über das Rehwild. Wandern ist mehr als ein Hobby – es ist eine ganzheitliche Aktivität, die Körper und Geist gleichermaßen guttut. Die Vorbereitung ist minimal: Einfach die Wanderschuhe anziehen und auf ländlichen Wegen ins Randow-Bruch aufbrechen!

Rehböcke besetzen ihr Revier

Die großen Rehansammlungen haben sich inzwischen aufgelöst, und das Rehwild wird dort zum Einzelgänger. So sind die Rehböcke momentan viel auf den Läufen, um ein Revier zu besetzen und zu verteidigen. Heftige Kämpfe finden auch mit den Stirnwaffen in der Blattzeit, der Paarungszeit, im Juli und August statt. Nicht nur um die Ricken, sondern auch um die Schmalrehe wird gekämpft. Als Schmalreh wird in der Jägersprache ein weibliches Stück genannt, das noch kein Kitz gesetzt hat.

Alle Rehe haben am 1. April Geburtstag

Es ist kein Aprilscherz: Die Grünröcke haben gesetzlich festgeschrieben, dass alle Wildarten am 1. April Geburtstag haben. Dann werden sie ein Jahr älter, was oftmals beim Aufstellen des Abschussplanes im Hegering beim Schalenwild eine Rolle spielt. Schalenwild ist die jagdliche Bezeichnung für Paarhufer, deren Klauen als „Schalen“ bezeichnet werden. Die meisten Arten sind Wiederkäuer, lediglich das Wildschwein ist ein Allesfresser.

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Immer wieder kommt es beim Rehwild zur Ausbildung von „Mörderböcken“, die keine Enden besitzen, sondern recht lange Stangen, die dann wie Dolche wirken. Sind diese schon einmal Sieger geworden, sind sie kampferprobt und können sich dann zu Raufbolden entwickeln. Diese Böcke können großen Schaden im Bestand anrichten. Dies verhindert der Jäger durch einen Hegeabschuss.

Die Kunst des Blattens

In der Paarungszeit, der sogenannten Blattzeit, geben die Ricken einen Fiepton von sich. Jetzt ist Hochsaison der Rehwildjagd, und der Jäger vollführt die hohe Kunst des Blattens. Mit einem in den Händen gefalteten Buchenblatt imitiert er den Ruf der Ricke. Dieser irritiert den Platzbesitzer, denn der Bock ist paarungsbereit und hofft auf den Beschlag der liebestollen Ricke. So genarrt läuft er vor die Büchse des blattenden Jägers.

Geweihe sind keine Hörner

Das Geweih der Böcke trägt in der Sprache des Weidmanns die zoologisch falsche Bezeichnung Gehörn. Unter Hörnern versteht der Biologe jedoch lediglich die Hörner von Hohlhorn-Wiederkäuern, wie beispielsweise Rindern und Schafen, welche auf einem Knochenzapfen sitzen. Hörner werden auch nicht jährlich wie die Abwurfstangen der Geweihträger abgeworfen, sondern wachsen ein Leben lang.

Der Auswuchs der Rehböcke am Haupt im Stirnbereich ist aber ein Geweih, denn es wird aus Knochenmaterial wie beim Rot- und Damwild gebildet. Es besteht aus zwei, bei erwachsenen Böcken durchschnittlich 18 Zentimeter langen Stangen, die auf den aus Stirnbeinen wachsenden Rosenstöcken entstehen. Je nach Anzahl der Enden werden Spießer, Gabler, Sechser und Achter unterschieden. Hin und wieder gibt es Perückenböcke, deren Geweihe ständig wachsen.

Der Bast entwickelt sich regelrecht zu einer mächtigen Perücke und wird auch nicht gefegt. Solch ein Wuchergebilde wird durch Fehlstörungen des Sexualhormons Testosteron nicht abgeworfen und führt zum qualvollen Tod des Rehbocks. Durch einen Hegeabschuss erlöst der Jäger dieses Tier. In der Blattzeit, also Paarungszeit im Sommer, hat der Rehbock seinen großen Auftritt, denn immer wieder kann man in der Feldflur Revierkämpfe beobachten.

Fortpflanzung und Naturwunder

Die Böcke kämpfen um Reviere, und der Beschlag der Ricken erfolgt im Sommer. Meist setzt die Ricke erst im Mai zwei Kitze. Die enorm lange Trächtigkeitsdauer kommt dadurch zustande, dass sich der aus dem befruchteten Ei entwickelte Embryo bis Dezember kaum wächst. Dies ist ein raffinierter Trick der Natur, denn nur so gelingt es dem Rehwild, Zeugung und Geburt in die nahrungsreiche Jahreszeit zu legen.

Wer dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern, Silberreihern und Blühwundern Stress abbauen möchte, kann bei einer geführten Naturwanderung Kraft tanken. Anmeldung bitte unter 015156074311.

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