Heute vor 51 Jahren schrieb Lella Lombardi Formel-1-Geschichte: Als erste und bis heute einzige Frau fuhr die Italienerin in die Punkteränge. Der historische Moment wurde jedoch tragisch überschattet.
Vom Handball zum Rennsport
Maria Grazia Lombardi, Tochter eines Metzgers aus dem Piemont, verbrachte ihre Freizeit ursprünglich am liebsten in der Sporthalle. Ein Zusammenprall mit einer Gegenspielerin, bei dem ihr Bein brach, änderte alles. Die Geschwindigkeit des Krankenwagens faszinierte sie so sehr, dass sie beschloss, Autorennen zu fahren.
Der schicksalhafte 27. April 1975
Beim Großen Preis von Spanien in Barcelona belegte die damals 34-Jährige Platz sechs und erhielt dafür einen halben WM-Punkt. Dieser war die Konsequenz aus dem vorzeitigen Rennabbruch nach einem fürchterlichen Unfall des führenden Kölners Rolf Stommelen. An seinem Lola war der Heckflügel gebrochen, das Auto raste unkontrolliert in die Menschenmenge und tötete fünf Zuschauer.
Lombardis Weg in die Königsklasse
Lella Lombardi fuhr von 1974 bis 1976 zwölf WM-Rennen, sieben Mal kam sie ins Ziel. In ihrer Jugend testete sie die Grenzen des Lieferwagens ihres Vaters, während sie Wurst- und Fleischwaren auslieferte. Ihre Eltern unterstützten das gefährliche Hobby nicht, sodass sie weitgehend auf sich allein gestellt war. Über die Formel Monza, Formel 3, Formel Ford und Formel 5000 erreichte sie 1974 mit viel Ehrgeiz und Talent die Formel 1 in einem Brabham des italienischen Automobil-Clubs.
Ein Rekord für die Ewigkeit
Neben ihrem halben WM-Punkt hält Lombardi den Rekord für die höchste Startnummer in der Formel-1-Geschichte: Die „208“ auf ihrem Auto 1974 in Brands Hatch verwies auf ihren Sponsor Radio Luxemburg, das damals auf 208 mHz sendete. Da Startnummern heute nur noch bis „99“ erlaubt sind, wird diesen Rekord niemand mehr brechen.
Lella Lombardi, die wenige Tage vor ihrem 51. Geburtstag im März 1992 an Brustkrebs starb, wird von Weggefährten als umsichtig und besonnen beschrieben – sowohl auf der Strecke als auch im Leben.



