Orthopäde filmt heimlich Patientinnen: Fünfeinhalb Jahre Haft
Orthopäde filmt Patientinnen: Fünfeinhalb Jahre Haft

Das Landgericht Osnabrück hat einen 43-jährigen Orthopäden zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Arzt hatte seit 2018 heimlich Tausende von Aufnahmen von Patientinnen mit seinem Smartphone angefertigt und sie sexuell missbraucht. Unter den Opfern befanden sich auch ein Kind und mehrere Jugendliche. Zusätzlich zur Haftstrafe verhängte das Gericht ein lebenslanges Verbot, weibliche Patienten zu behandeln.

Heimliche Aufnahmen und Missbrauch in der Praxis

Der Mediziner aus dem Landkreis Osnabrück filmte seine Patientinnen in der Praxis heimlich. Er fotografierte sie mit entblößtem Oberkörper und heruntergezogener Unterhose und berührte sie dabei im Intimbereich. Die Vorsitzende Richterin erklärte, der Arzt habe den Frauen vorgegeben, dass es sich um medizinische Untersuchungen handele. Tatsächlich gab es keine medizinischen Gründe für die Aufnahmen oder die Berührungen.

Über 190 Fälle bewertet

Die Kammer bewertete mehr als 190 Fälle. Bei etwa der Hälfte dieser Fälle kam es zusätzlich zu den heimlichen Fotos zu nicht medizinisch gerechtfertigten Berührungen im Intimbereich. Die Richterin betonte, das Gericht sei überzeugt, dass der Arzt seinem voyeuristischen Trieb nachgehen wollte. Diesen habe er eigenen Angaben zufolge bereits in der Pubertät verspürt. Während seines Studiums habe er heimlich Kommilitoninnen gefilmt. Nach seiner Facharztausbildung habe er mit seiner Frau eine eigene Praxis geführt. Wegen der großen beruflichen Belastung habe er immer häufiger seinem Trieb nachgegeben. Es habe ihm Befriedigung gegeben, die heimlich angefertigten Aufnahmen anzusehen und die aus seiner Sicht besten Fotos auszuwählen.

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Keine Einweisung in Psychiatrie

Die Kammer habe auch überlegt, ob eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik in Betracht komme. Letztlich habe man sich für ein Verbot der Behandlung weiblicher Patienten entschieden, weil der Angeklagte die voyeuristische Neigung nur bei Frauen habe. Unter den mehr als 9000 Aufnahmen, die während des Prozesses gesichtet wurden, habe sich kein einziger Mann befunden.

Auswirkungen auf die Opfer

Die Vorsitzende Richterin sagte: „Sie wollten Ihr Leben lang Arzt werden, wollten Menschen helfen, sie waren angesehen und geschätzt, die Patienten sind gerne zu Ihnen gekommen.“ Der Angeklagte habe auf viele Patientinnen wie ein „fantastischer Orthopäde“ gewirkt. Umso größer sei für die Betroffenen das Erschrecken gewesen, als sie im Zuge der Ermittlungen von den Tatvorwürfen hörten. Einige Patientinnen hätten seitdem ihr Vertrauen in Ärzte komplett verloren. Andere hätten als Folge auch im privaten Bereich Scheu vor intimen Berührungen aufgebaut. Es gebe aber keine Hinweise, dass die Aufnahmen an Dritte gegangen seien.

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