Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche in Ahlhorn steht erneut vor der Schließung. Der Träger Leinerstift und die Diakonie in Niedersachsen teilten mit, dass der Betrieb zum 30. Juni eingestellt werde, falls bis zum 10. Mai keine tragfähige Finanzierungslösung gefunden werde.
Ursache des Finanzierungsproblems
Hintergrund ist eine seit längerem unzureichende Refinanzierung durch die Kostenträger. Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, erklärte, dass bereits bei der Übernahme der Klinik im Jahr 2024 klar gewesen sei, dass ein dauerhafter Betrieb nur mit einer neuen Finanzierungsregelung möglich sei. Die bisherigen Tagessätze deckten die tatsächlichen Kosten nicht.
Auch Wolfgang Vorwerk, Vorstand des Leinerstifts, betonte, man habe frühzeitig auf die Notwendigkeit neuer Finanzierungsmodelle hingewiesen. Dass die Klinik in der Gemeinde Großenkneten im Landkreis Oldenburg nun erneut vor dem Aus stehe, verdeutliche das strukturelle Problem.
Defizit aus Eigenmitteln getragen
In den vergangenen 18 Monaten führte der Träger Gespräche mit der Deutschen Rentenversicherung, weiteren Kostenträgern und der Politik – jedoch ohne Ergebnis. Zugleich habe das Leinerstift rund 1,5 Millionen Euro Defizit aus Eigenmitteln getragen.
„Das Leinerstift hat sich immer für eine langfristige Lösung für die Klinik starkgemacht, damit die Kinder und Jugendlichen in einer ohnehin schon kritischen Lebenssituation eine gute Behandlung und damit eine Lebensperspektive bekommen“, sagte Lenke.
Mangel an spezialisierten Einrichtungen
Die Rentenversicherung habe signalisiert, dass sie das Angebot für ausreichend halte und auf vorhandene Reha-Plätze verwiesen. Welche Einrichtungen diese Plätze anbieten, sei jedoch nicht benannt worden. Nach Darstellung des Leinerstifts gibt es bundesweit neben der Klinik in Ahlhorn nur zwei weitere spezialisierte Einrichtungen mit zusammen 36 Plätzen.
Derzeit wirkt sich ein Aufnahmestopp bereits auf den Betrieb aus. Die Klinik werde schrittweise leerer, aktuell würden noch 18 Patientinnen und Patienten behandelt. Gleichzeitig blieben ein Großteil der Kosten bestehen.
Folgen einer möglichen Schließung
Hinzu komme, dass Personal abwandere und ein späterer Neustart erschwert werde. Vorwerk sagte, je näher eine mögliche Schließung rücke, desto mehr werde sich dieser Effekt verstärken.
„Die breite Solidarität zeigt eindrücklich, wie wichtig dieses Angebot für abhängigkeitserkrankte junge Menschen und letztlich auch für die Gesellschaft ist. Wir hoffen weiterhin, dass in den kommenden Tagen eine Lösung gefunden werden kann“, sagte Vorwerk. Lenke fügte hinzu: „Sollte in den kommenden fünf Arbeitstagen keine Einigung über eine Übergangslösung gefunden werden, ist das ein Armutszeugnis für unseren Sozialstaat.“
Besondere Herausforderungen bei der Behandlung
Die Klinik in Ahlhorn ist auf die Behandlung suchtkranker Kinder und Jugendlicher spezialisiert. Nach Einschätzung von Träger und Fachleuten würde eine Schließung die Versorgungsstruktur weiter schwächen. Die Behandlung dieser Patientengruppe sei besonders personalintensiv und mit entsprechend hohen Kosten verbunden.



