München/Laatzen – Aufatmen bei Heimbewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern! Der Pflegeanbieter „Ambiente Care Süd GmbH“ sorgte wochenlang bundesweit für besorgniserregende Schlagzeilen – jetzt die Wende: Insolvenzverwalter Hubert Ampferl aus München hat sieben Standorte an neue Betreiber übergeben. Der Betrieb läuft weiter, die Bewohner bleiben.
Hintergrund der Krise
Versorgungsengpässe, ausstehende Gehälter und zu wenig Personal hatten in den vergangenen Wochen für großen Unmut in den Ambiente-Heimen gesorgt. Die Seniorenresidenz in Laatzen in Niedersachsen wurde vor Ostern von der Heimaufsicht in einer Blitzaktion sogar ganz dichtgemacht. 59 Senioren wurden binnen 24 Stunden vor die Tür gesetzt. In den vergangenen Tagen gab es eine weitere Insolvenz in dem Unternehmen, zudem acht Strafanzeigen gegen die beiden Geschäftsführer, unter anderem wegen Betrugs und Insolvenzverschleppung.
Neue Träger für Heimbewohner
„625 Mitarbeiter behalten ihren Job“, heißt es am Dienstag in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters. Für die Beschäftigten bedeutet das: keine Kündigungen, keine Betriebsstilllegung, sondern Weiterbeschäftigung unter neuen Trägern. Die Übernahmen im Überblick:
- In Dresden (rund 80 Bewohner) und Neuenhagen (rund 140 Bewohner) übernimmt die „GIOMI Deutschland GmbH“.
- Velbert (95 Bewohner) und Rotenburg (rund 100 Bewohner) gehen an die „emida Marisa GmbH“.
- Der Standort Unna (rund 60 Bewohner) wird künftig von einem Joint Venture aus AP Pflegedienst GmbH und Sander Pflege GmbH geführt.
- Die Seniorenresidenz Hatten in Niedersachsen (etwa 65 Bewohner) übernimmt die „Auvictum-Gruppe“.
Heim in Laatzen soll wieder öffnen
Der Standort Laatzen in Niedersachsen, der das System des Pflegeanbieters an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatte, soll auch wieder in Betrieb gehen. Der Neustart durch die „Auvictum-Gruppe“ steht jedoch unter besonderen Vorzeichen.
Mutter Regina (85) soll nicht ins ehemalige Heim
BILD fragte Georg Schemainsky (56) aus Hannover, ob seine 85-jährige Mutter Regina nach Laatzen zurückkehren soll. Seine klare Antwort: „Nein, wir haben das Vertrauen verloren.“ Seine Mutter sei inzwischen in ihrer neuen Einrichtung gut angekommen, fühle sich dort sehr wohl und habe sogar ein besseres Zimmer. Ein erneuter Umzug kommt für ihn deshalb nicht infrage: „Ich würde sie nicht noch mal dem Stress eines weiteren Wechsels aussetzen.“
Die Rettung der Standorte gibt Hoffnung, doch die Betroffenen bleiben vorsichtig. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die neuen Betreiber das Vertrauen zurückgewinnen können.



