Studie: Viele junge Menschen nutzen Chatbots bei psychischen Problemen
Junge Menschen suchen Hilfe bei KI-Chatbots

Viele junge Menschen in Deutschland suchen bei psychischen Problemen Hilfe bei KI-Chatbots. Das zeigt eine repräsentative Befragung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention. Rund zwei Drittel der 16- bis 39-Jährigen haben bereits mit künstlicher Intelligenz über seelische Belastungen gesprochen. Besonders betroffen sind Menschen in depressiven Phasen: 76 Prozent von ihnen nutzen Chatbots als Gesprächspartner.

Chatbots als erste Anlaufstelle

Die einfache Verfügbarkeit macht Chatbots attraktiv: Sie sind anonym, jederzeit erreichbar und ohne Wartezeit nutzbar. Für viele junge Menschen sind sie deshalb die erste Anlaufstelle bei Stress, Trauer oder Liebeskummer. Auch bei diagnostizierten Depressionen spielen sie bereits eine Rolle: Mehr als ein Drittel der Betroffenen hat in jüngerer Zeit mit Chatbots über die eigene Erkrankung gesprochen. 56 Prozent nutzen sie, um überhaupt jemanden zum Reden zu haben, 46 Prozent hoffen, ihre Erkrankung besser in den Griff zu bekommen.

Intensive Nutzung bei einem Viertel

Drei Viertel der Nutzer haben innerhalb der letzten 30 Tage mit einem Chatbot gesprochen. Etwa ein Viertel führt längere Gespräche oder behandelt die KI wie einen persönlichen Vertrauten. Die meisten Nutzer empfinden die Gespräche als hilfreich und unterstützend, viele fühlen sich verstanden und können sich leichter öffnen.

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Chancen und Risiken aus fachlicher Sicht

Psychiater Malek Bajbouj von der Berliner Charité sieht sowohl Chancen als auch Risiken. Einerseits könnten KI-Systeme Versorgungslücken überbrücken, Barrieren abbauen und Wartezeiten verkürzen. Andererseits bestehe die Gefahr von Scheinbehandlungen: Menschen könnten in wirkungslosen oder schädlichen Systemen gefangen bleiben, anstatt professionelle Hilfe zu suchen. 62 Prozent der Nutzer mit Depression geben an, dass die KI-Gespräche den Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten überflüssig gemacht hätten – ein alarmierender Wert bei schweren Verläufen.

Verstärkung von Suizidgedanken möglich

KI-Systeme sind häufig nicht krisenkompetent, warnt Bajbouj. Im ungünstigsten Fall könnten sie belastende oder suizidale Gedanken verstärken. Tatsächlich berichten 53 Prozent der betroffenen Nutzer von verstärkten Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid nach der Nutzung. Viele Angebote sind nicht für therapeutische Zwecke entwickelt, es fehlen klare Regeln, Qualitätsstandards und unabhängige Kontrolle. Die wissenschaftliche Klärung, ob KI insgesamt eher hilft oder schadet, steht noch aus.

Fachleute raten zu ergänzender Nutzung

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe betont, dass Chatbots eine Therapie nicht ersetzen können. Depression sei eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung, bei der Betroffene unbedingt Hausärzte, Psychiater oder Psychologische Psychotherapeuten aufsuchen sollten. Wer digitale Unterstützung nutzen möchte, sollte auf geprüfte Angebote zurückgreifen, wie zugelassene digitale Gesundheitsanwendungen („Apps auf Rezept“) oder begleitete Onlineprogramme.

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