Pädophilie: Experte klärt über Prävention und Stigmatisierung auf
Pädophilie: Experte über Prävention und Stigmatisierung

Ein aktueller Fall eines Segeltrainers aus Hamburg, der jahrelang vorpubertäre Jungen missbraucht hat, wirft Fragen zur Pädophilie auf. Im Interview spricht Klaus Beier, Leiter der Präventionsambulanz am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlin, über die Herausforderungen der Prävention und die gesellschaftliche Stigmatisierung.

Wie viele Menschen mit pädophiler Neigung werden straffällig?

Beier erklärt, dass eine seriöse Bezifferung schwierig sei, da man zwischen Hellfeld und Dunkelfeld unterscheiden müsse. Im Hellfeld befinden sich diejenigen, die straffällig geworden und justizbekannt sind. Im Dunkelfeld hingegen bewegen sich Menschen, die Straftaten vermeiden wollen. „Das meiste passiert im Dunkelfeld und wird Strafverfolgungsbehörden nicht bekannt“, so Beier. Mit dem Beratungsangebot „Kein Täter werden“ versuche man, diese Menschen präventiv zu erreichen.

Nicht alle werden zu Tätern

Es wird geschätzt, dass rund ein Prozent der männlichen Bevölkerung, etwa 350.000 Menschen, eine pädophile oder hebephile Sexualpräferenz haben. Beier betont jedoch, dass die Annahme, diese Menschen würden zwangsläufig übergriffig, falsch sei. „Ein erheblicher Teil sexueller Straftaten wird nicht von Menschen mit pädophiler Sexualpräferenz begangen, sondern von Menschen, die situativ handeln, aus einer Gelegenheit heraus, oder weil ganz andere Störungsbilder vorliegen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hemmungen, Hilfe zu suchen

Der Segeltrainer wusste um seine Neigung, suchte aber keine therapeutische Hilfe. Beier erklärt, dass viele Betroffene große Hemmungen haben, sich zu melden, aus Angst vor Stigmatisierung. Sie hätten das gesellschaftliche Bild vom „abnormen Monster“ verinnerlicht, selbst wenn sie nie übergriffig waren. Dies führe zu Scham, Selbsthass, Geheimhaltung und sozialer Isolation. „Aber wer sich isoliert, lernt nicht, mit seiner Neigung umzugehen“, warnt Beier.

Das Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ bietet anonyme und kostenfreie Beratung für Menschen, die sich zu Kindern hingezogen fühlen, aber keine Straftaten begehen wollen. Ziel ist es, therapeutische Hilfe zu ermöglichen und sexuellen Missbrauch zu verhindern.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration