Psychologie: Wenn der Tag schiefgeht - 4 Methoden zur Rettung
Es gibt diese Tage, an denen alles schiefzulaufen scheint: Beim Griff in den Kühlschrank entgleitet der Milchkarton und zerplatzt auf dem Boden, das Aufwischen dauert ewig, keine Zeit mehr für den morgendlichen Kaffee. Jetzt schnell los! Aber natürlich ist der Fahrradreifen platt - und auch die Bahn fährt einem vor der Nase weg. Der Tag scheint gelaufen, bevor er richtig begonnen hat. Doch lässt sich ein solcher Tag überhaupt noch retten?
Die Psychologin und Trainerin Nanni Glück hat praxiserprobte Tipps parat, die in solchen Situationen helfen können. Ihre Methoden sind überraschend einfach und dennoch wirksam.
1. Eine kontrollierte Runde jammern
Erlauben Sie sich bewusstes Hadern: „Erlauben Sie sich, zu hadern, zu jammern, sich zu beschweren oder sich zu ärgern“, rät Glück. Die Emotion sei ohnehin bereits vorhanden. „Geben Sie ihr den Raum, den sie braucht, um sich zu entfalten.“ Ein Zeitlimit von etwa drei Minuten sei dabei hilfreich - das reiche vollkommen aus.
Eine besondere Empfehlung der Expertin: Nutzen Sie Gibberish für Ihren Ärger. Das bedeutet, in unverständlichem Kauderwelsch vor sich hinzuschimpfen. „Es ist nämlich ziemlich albern, auf Gibberish zu schimpfen“, erklärt Glück. Diese Methode helfe, nicht von den eigenen Emotionen überwältigt zu werden und schaffe gleichzeitig eine humorvolle Distanz.
2. Gedanklichen Abstand gewinnen
Für alle, denen die erste Methode zu albern erscheint, hat Glück einen alternativen Ansatz: Zoomen Sie gedanklich aus der Situation heraus. Betrachten Sie sich selbst wie eine außenstehende Person: Da ist ein Mensch, dem gerade etwas wirklich Unangenehmes passiert ist. Natürlich darf er sich ärgern.
Mit etwas Abstand wird jedoch schnell deutlich: Das Ganze ist nur eine Momentaufnahme. Der Blick in die Zukunft schafft zusätzliche Distanz - wir wissen, dass die Situation vorübergehen wird. Aus der Perspektive von übermorgen wirkt sie oft schon deutlich weniger wichtig und bedrohlich.
3. Den Fokus auf das Positive richten
Drücken Sie nun gedanklich die Pausetaste und schauen Sie sich bewusst um: Was ist in Ihrer unmittelbaren Umgebung gerade gut, schön oder lustig? „Finden Sie mindestens drei Dinge und bleiben Sie für ein paar Momente dabei“, empfiehlt Nanni Glück. Vielleicht ist es die Tasse Kaffee auf dem Schreibtisch, die Sonne, die durchs Fenster scheint, oder ein schönes Bild an der Wand.
Positive Emotionen erweitern der Psychologin zufolge den Blickwinkel und schaffen neue Denk- und Handlungsspielräume. Selbst wenn die äußere Situation zunächst unverändert bleibt, verändert sich Ihre innere Haltung. „Sie kommen wieder als der gelingende und erfolgreiche Mensch zurück, der Sie sind“, verspricht Glück.
4. Auf die persönliche Gute-Laune-Liste zurückgreifen
Hat sich die Laune noch nicht gebessert, empfiehlt Glück den nächsten Schritt: Widmen Sie sich etwas, das Ihnen wirklich Freude bereitet. Hilfreich ist eine vorbereitete Liste mit mindestens zehn Dingen, die guttun. „Die Liste ist wichtig, denn in Momenten, in denen das Leben crasht, fällt Ihnen davon garantiert nichts ein“, erklärt die Trainerin.
„Auf meiner ganz persönlichen Liste steht auf Platz 1: Luftpolsterfolie knallen lassen. Ich liebe das!“, verrät sie. Wichtig sei: Vermutlich werde man an einem miesen Tag keine Lust haben, sich etwas so Banalem zu widmen. „Machen Sie es trotzdem“, betont Glück. „Ich verspreche Ihnen, spätestens nach ein paar Momenten übernimmt die Freude wieder die Oberhand.“
Mit diesen vier Methoden hat selbst der schwierigste Tag noch eine Chance, sich deutlich zu verbessern. Die Techniken sind einfach umsetzbar und erfordern keine besonderen Vorbereitungen - nur die Bereitschaft, neue Wege im Umgang mit frustrierenden Situationen auszuprobieren.



