Weltpremiere in Sachsen: Carbonbetonwerk soll Bauindustrie transformieren
In Sachsen wird industriepolitische Geschichte geschrieben. Das weltweit erste Carbonbetonwerk für CO2-speichernde Bauteile entsteht in Leipzig. Die sogenannte C-Factory soll nicht nur Gebäude stabiler machen, sondern diese auch zu aktiven Kohlenstoffspeichern transformieren. Im Carbon Concrete CUBE der Technischen Universität Dresden, einem Gebäude aus Carbonbeton, erfolgte nun der offizielle Startschuss für dieses zukunftsweisende Projekt.
Bundesförderung und ambitionierte Ziele
Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt das Vorhaben mit einer Förderung von rund 14 Millionen Euro. Die Projektlaufzeit erstreckt sich bis Ende 2029. Die Leitung übernimmt das Leipziger Unternehmen Kahnt & Tietze GmbH, das gemeinsam mit mehreren Industriepartnern sowie der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der Technischen Universität Dresden an der Realisierung arbeitet.
Die Carbonbetonbauweise wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten intensiv erforscht und in ersten Bauprojekten erfolgreich erprobt, betonen die beteiligten Institutionen. Mit der C-Factory folgt nun der entscheidende Schritt: die Überführung dieser innovativen Technologie in eine industrielle Serienproduktion.
Revolutionäre Einsparpotenziale für Ressourcen und Emissionen
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die Herstellung, Errichtung, Modernisierung und der Betrieb von Wohn- und Nichtwohngebäuden ist in Deutschland für satte 40 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Carbonbeton ermöglicht hier einen fundamentalen Wandel.
Carbonbeton ermöglicht deutlich schlankere, leichtere und dauerhaftere Bauteile als der klassische Stahlbetonbau, erklärt die Kahnt & Tietze GmbH. Da Carbon nicht korrodiert, kann die notwendige Betondeckung erheblich reduziert werden. Dies führt zu einem drastisch geringeren Bedarf an Zement, Kies und Sand. Insgesamt lassen sich mit der neuen Technologie bereits heute bis zu 80 Prozent an Ressourcen einsparen.
Vom Emittenten zum Speicher: Gebäude als aktive Klimaschützer
Die eigentliche Innovation geht jedoch noch einen Schritt weiter. In Kombination mit CO2-mineralisierten Zuschlägen und zusätzlichen CO2-speichernden Materialien werden Bauteile in der C-Factory künftig sogar zum Kohlenstoffspeicher, teilt das federführende Unternehmen mit. Gebäude würden damit nicht mehr nur Emissionen verursachen, sondern aktiv zur CO2-Reduktion beitragen.
Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter unterstreicht die Bedeutung: Sachsen beweist: Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gelingen zusammen. Dass sich Gebäude künftig als CO2-Senke nutzen lassen, ist mit Blick auf die industrielle Transformation und den Klimaschutz revolutionär.
Pilotanlage in Leipzig geplant
In den kommenden vier Jahren soll nun in Leipzig die Pilotanlage aufgebaut und in Betrieb genommen werden. Alexander Kahnt, Geschäftsführer der Kahnt & Tietze GmbH, betont die Motivation aller Beteiligten: Uns alle motiviert das Ziel, mit der C-Factory die Emissionen im Bauwesen deutlich zu senken.
Sein Geschäftspartner Matthias Tietze ergänzt: Wir bringen eine Technologie, die bisher vor allem in Forschung und Pilotprojekten existiert hat, in die industrielle Realität. Mit diesem Projekt positioniert sich Leipzig und ganz Sachsen als Vorreiter einer klimafreundlichen und ressourcenschonenden Bauindustrie von morgen.



