In ihrem neuen Roman „Die Liebeshungrigen“ entwirft die französische Autorin Karine Tuil das schonungslose Porträt eines Mannes, der auf ganzer Linie gescheitert ist. Dan Lehman, einst Präsident der Republik, hat seine Ideale verloren, seine politische Karriere ist beendet, und sein Privatleben liegt in Trümmern. Er begehrt stets die Frau, mit der er gerade nicht zusammen ist, und seine Alkoholsucht hat ihn auch gesellschaftlich isoliert.
Eine Gesellschaft im Niedergang
Tuil zeichnet nicht nur das Bild eines gescheiterten Politikers, sondern auch einer Gesellschaft, die zwar mit großen Worten wie Feminismus und Gerechtigkeit hantiert, in der aber jeder nur auf das eigene Fortkommen bedacht ist. Lehman, der einst mit großen Idealen als Linker startete, ist nun nur noch ein abgewählter Ex-Staatschef, dessen Karl-Marx-Biografie in den Buchläden verstaubt. Im Internet und Feuilleton macht man sich über ihn lustig, weil er in seinen Revolutionsroman eine ungelenke Sexszene eingebaut hat.
Die maximale Fallhöhe
Karine Tuil bürdet ihrem Protagonisten die maximale Fallhöhe auf: Vom Präsidenten zum Gespött der Leute. Der Roman zeigt, wie aus einem Idealisten ein Zyniker wird, der an seinen eigenen Schwächen und den Verhältnissen zerbricht. „Die Liebeshungrigen“ ist ein schonungsloses Sittengemälde der Gegenwart, das den Niedergang eines Mannes und seiner Umwelt beschreibt.
Der Roman ist im Verlag Gallimard erschienen und hat in Frankreich bereits für Aufsehen gesorgt. Tuil, bekannt für ihre scharfsinnigen Gesellschaftsromane, legt mit „Die Liebeshungrigen“ ein Werk vor, das die Abgründe der Macht und die Einsamkeit des Scheiterns auslotet.



