Russisches Gericht verbietet Oscar-prämierte Doku »Ein Nobody gegen Putin«
Gericht verbietet Oscar-Doku »Ein Nobody gegen Putin«

Russisches Gericht verhängt Verbot gegen Oscar-prämierten Dokumentarfilm

In Russland hat ein Gericht den kürzlich mit einem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilm »Ein Nobody gegen Putin« von drei nationalen Streamingplattformen verbannt. Das Zentrale Bezirksgericht von Tscheljabinsk, der Heimatregion des Filmemachers Pawel Talankin, entschied am Donnerstag, dass der Film nicht mehr gezeigt oder verbreitet werden darf. Laut dem unabhängigen Nachrichtenportal Sotavision begründete das Gericht das Verbot damit, dass der Film »negative Einstellungen« gegenüber der russischen Regierung und dem Krieg in der Ukraine fördere.

Gericht moniert angebliche Propaganda und fehlende Zustimmungen

Das lokale Portal »It’s My City« berichtete aus dem Verhandlungssaal, dass die Entscheidung auf eine Verwaltungsklage zurückgeht. Die Klage wurde eingereicht, weil in dem Film Kinder zu sehen sind, deren Eltern der Veröffentlichung nicht zugestimmt hätten. Das Gericht erkannte in dem Werk außerdem Propaganda für Terrorismus und extremistische Symbolik. Diese Begründungen unterstreichen die zunehmende Zensur und Kontrolle über Medieninhalte in Russland, die kritische Stimmen unterdrücken sollen.

Hintergrund des Films und Reaktionen

»Ein Nobody gegen Putin« ist eine Koproduktion des in Kopenhagen lebenden US-Regisseurs David Borenstein und des russischen Videofilmers Pawel Talankin. Der Film basiert auf Videoaufnahmen, die Talankin als Lehrer in seiner Heimatstadt Karabasch machte, wo er patriotische Veranstaltungen und Interviews mit Schülern zum Krieg dokumentierte. Nach zwei Jahren gelang es ihm, das Filmmaterial aus Russland zu schmuggeln, das die gesellschaftlichen Veränderungen durch den Angriffskrieg gegen die Ukraine zeigt. Borenstein montierte daraus einen Film, der auch Talankins Wandlung zum Kriegsgegner illustriert.

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Bei der Oscarverleihung Mitte März wurde der Film als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet, wobei Borenstein vor politischem Schweigen warnte. In Russland wird Talankin jedoch als Verräter geschmäht. Der russische Starregisseur Nikita Michalkow, selbst Oscar-Preisträger, kritisierte die Doku als »Manifest des Russenhasses« und antirussisches Machwerk im Auftrag westlicher Geldgeber. Der Film ist eine Koproduktion von Dänemarks DR, der britischen BBC sowie von ZDF und Arte, was die internationale Aufmerksamkeit und Kontroversen verstärkt.

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