Polizeiruf 110: Potsdamer Goldraub-Krimi enttäuscht mit schwachem Plot trotz prächtiger Kulissen
Polizeiruf 110: Potsdamer Goldraub-Krimi enttäuscht

Polizeiruf 110: Potsdamer Goldraub-Krimi enttäuscht trotz prächtiger Kulissen

Der jüngste deutsch-polnische Polizeiruf 110 aus Potsdam bietet zwar imposante historische Kulissen, doch die Handlung um einen brutalen Juwelier-Raubmord bleibt erstaunlich blass. Die Episode mit dem Titel Goldraub versprüht trotz glitzernder Requisiten wenig erzählerischen Glanz und erhält in der Kritik nur drei von zehn möglichen Punkten.

Die Handlung: Familiendrama mit historischem Schmuck

Im Zentrum der Ermittlungen von Kommissar Ross (André Kaczmarczyk) und seinem Kollegen Rogov (Frank Leo Schröder) steht der Raubmord an einem Potsdamer Juwelier. Das Opfer hatte gerade den historischen Goldschmuck des Adelsgeschlechts von Stolzenburg restauriert – eine Sammlung von 52 Exponaten, einst in Paris vom größten Goldschmied seiner Zeit angefertigt, mit einem Versicherungswert von 1,5 Millionen Euro.

Die Ermittler entdecken schnell, dass die Familie des Getöteten massive interne Probleme hat. Besonders der spielsüchtige Sohn des Juweliers gerät in den Fokus der Untersuchungen, nachdem bekannt wird, dass er in Spielhallen mit 100-Euro-Scheinen protzt.

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Potsdamer Kulissen glänzen, Plot bleibt matt

Die Handlung entfaltet sich zwischen den aufgeputzten preußischen Fassaden Potsdams. Der Juwelierladen befindet sich im Holländischen Viertel, und Kommissar Ross lässt sich im Potsdam Museum mit Blick auf den blitzeblanken Alten Markt über die Besonderheiten der Schmuckkollektion aufklären.

Doch trotz dieser prachtvollen Kulissen gelingt es der Episode nicht, die Spannung des spektakulären Louvre-Raubs vom Oktober zu erreichen, bei dem Schmuckstücke aus der Sammlung Napoleon I. und von Kaiserin Eugénie gestohlen wurden. Der Pariser Louvre ist fern, konstatiert die Kritik – bei diesem unkonzentrierten Goldraub-Thriller will sich kein echtes Bling-Bling-Gefühl einstellen.

Meditative Ermittlungen und reduzierte internationale Zusammenarbeit

Auffällig ist der ungewöhnlich meditative Ermittlungsstil von Kommissar Ross. Bei anstrengenden Momenten setzt er sich im Schneidersitz vor seinen Schreibtisch – eine Ommm-Haltung, die in Verfolgungsjagden und Verhörsequenzen etwas deplatziert wirkt.

Kritik gibt es auch am reduzierten polnischen Anteil in der eigentlich grenzübergreifend konzipierten Serie. Tomek Nowicki als leicht verlotterter polnischer Gerichtsmediziner Kaminski bleibt zwar ein Hingucker, doch sein Mini-Part unterstreicht, dass immer weniger polnische Elemente im deutsch-polnischen Polizeirevier zu finden sind.

Musikalische Untermalung und ernüchternde Bilanz

Die musikalische Untermalung mit Stuck In The Middle With You von Steelers Wheel in der Spielhalle unterstreicht die Ratlosigkeit der Handlung. Die Textzeile Trying to make some sense of it all / But I can see it makes no sense at all scheint wie für diesen Polizeiruf geschrieben.

Die Bilanz fällt ernüchternd aus: Trotz strahlender historischer Klunker und prächtiger Potsdamer Kulissen bleibt der Plot um den Juwelier-Raubmord blass und unkonzentriert. Die Episode vermag weder mit Spannung noch mit glaubwürdigen Ermittlungen zu überzeugen und verfehlt damit die Erwartungen an den traditionsreichen Sonntagskrimi.

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