Klassik-Highlights in Berlin: Vivaldi trifft Südafrika, Radio-Hommage und neue Festivals
Klassik in Berlin: Vivaldi, Radio-Hommage und neue Festivals

Klassikszene Berlin: Ungewöhnliche Programme und innovative Festivals

Die Berliner Klassiklandschaft präsentiert sich in dieser Woche mit außergewöhnlichen Programmen, die traditionelle Werke mit zeitgenössischen Einflüssen verbinden. Von einer südafrikanischen Interpretation Vivaldis bis hin zu einer Hommage an die Radiomusik vergangener Tage reicht das vielfältige Angebot.

Selemo: Südafrikanischer Frühling trifft auf Vivaldi

Im Rahmen des Festivals Schall & Rausch bringen die südafrikanischen Komponisten und Performer S'busiso Shozi und Nhlanhla Mahlangu vom Center for the Less Good Idea in Johannesburg europäische und afrikanische Frühlingsvorstellungen in einen musikalischen Dialog. Das Musiktheaterwerk Selemo basiert auf Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, wobei insbesondere der Frühling als Ausgangspunkt dient.

„Wir nehmen Vivaldis Musik zum Anlass, um über die Bedeutung des Frühlings auf sozialer, menschlicher und politischer Ebene nachzudenken“, erklärt Mahlangu. Südafrikanische Sängerinnen und Sänger treffen dabei auf Musikerinnen und Musiker des Orchesters der Komischen Oper Berlin. Das Libretto bietet einen groben Rahmen, lässt aber Raum für individuelle Erfahrungen und Gedanken aller Beteiligten.

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Mischa Maisky interpretiert Bachs Cello-Suiten

Der renommierte Cellist Mischa Maisky präsentiert die Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach, die ihn seit Jahrzehnten begleiten. Er spielt die Suiten Nr. 2, 3 und die besonders anspruchsvolle 6. Suite. Die sechs Suiten gelten als Gipfel der Gattung und sind technisch herausfordernd. Zur Entstehungsgeschichte existieren viele Unklarheiten, da keine originale Urschrift von Bach selbst erhalten ist.

„Wenn man mich eines romantischen Bach-Spiels bezichtigt, dann nehme ich das als Kompliment“, sagte Maisky einmal über seine Interpretation. Die Werke wurden wahrscheinlich um 1720 in Köthen komponiert und durch Pablo Casals' Entdeckung einer Niederschrift im Jahr 1899 einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Staatskapelle Berlin: Musik aus fernen Rundfunktagen

Christian Thielemann und die Staatskapelle Berlin widmen sich in zwei Sonderkonzerten der gehobenen Unterhaltungsmusik vergangener Radiotage. Unter dem Titel Musik aus fernen Rundfunktagen führt das Programm zurück in eine Zeit, als sich Familien vor dem Radio versammelten, um gemeinsam Musikübertragungen zu lauschen oder zu tanzen.

Das Programm umfasst Dmitri Schostakowitschs Suite für Varieté-Orchester aus den 1950er Jahren sowie Werke von Nico Dostal, Ernst Fischer und Eduard Künneke. Die Stücke zeigen deutliche Anklänge an den Jazz und repräsentieren eine Ära, in der das Radio im Zentrum privater Unterhaltung stand.

Festival Vom Anfangen: Tradition trifft auf Innovation

Das Festival Vom Anfangen (14. Februar bis 1. März) erforscht, was entsteht, wenn die Freie Szene auf traditionelle Sinfonieorchester trifft. Zur Eröffnung spielt das Konzerthausorchester unter Jonathan Nott gemeinsam mit dem Trickster Orchestra, das 2013 gegründet wurde, um Neue Musik, Jazz, Pop und traditionelle Klassik zu verbinden.

Im Zentrum steht Amphiphilie für transtraditionelles Orchester (2024) von Cymin Samawatie und Ketan Bhatti, unterstützt vom Vokalensemble The Present. Zur Uraufführung kommt das titelgebende Stück Vom Anfangen von Cymin Samawatie. Der Abend beginnt mit Gustav Mahlers 4. Sinfonie, gesungen von Sopranistin Camilla Tilling.

Weitere Highlights der Berliner Klassikwoche

Rebecca Saunders präsentiert mit dem Boulez Ensemble unter François-Xavier Roth Teile ihres Triptychons Skin, Scar und Skull (2016-23). In Skin arbeitet die Komponistin mit stimmlichen Elementen wie Flüstern und Atmen, während in Skull ein Vintage-Korg-Synthesizer und eine E-Gitarre zum Einsatz kommen. Gegenübergestellt wird Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello.

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Das Deutsche Symphonie-Orchester unter Markus Poschner spielt Anton Bruckners 9. Sinfonie, die der Komponist „dem lieben Gott“ widmete. Bruckner konnte vor seinem Tod nur die ersten drei Sätze fertigstellen. Im Kontrast dazu steht Hannah Kendalls O flower of fire, inspiriert von der Lyrik des karibischen Dichters Martin Carter.

Die Berliner Klassikszene beweist mit diesen Programmen ihre Vielseitigkeit und Innovationskraft, indem sie traditionelle Werke in neuen Kontexten präsentiert und kulturelle Grenzen überwindet.