Lutz Schumacher schenkt der Bratsche neue Emotionen: Uraufführung in Parchim
Schumachers Bratschenkonzert: Uraufführung in Parchim

Lutz Schumacher schenkt der Bratsche neue Emotionen und Klangwelten

Parchim • Lutz Schumacher führt nicht nur ein Medienunternehmen, sondern leitet auch leidenschaftlich Orchester und komponiert. Nach seiner erfolgreichen 1. Sinfonie präsentiert der Geschäftsführer von Nordkurier/SVZ nun sein 1. Bratschenkonzert, das am 27. April in Parchim uraufgeführt wird. Der Weg zur fertigen Partitur gestaltete sich jedoch überraschend komplex und herausfordernd.

Die unterschätzte Bratsche im Fokus

Über Bratschisten kursieren in Musikerkreisen zahlreiche Witze, die oft unter die Gürtellinie zielen. Einer der harmloseren lautet: „Wie heißt Bratsche auf Arabisch? Is lahm.“ Lutz Schumacher dürfte diese Sprüche kennen, doch für ihn ist die Bratsche alles andere als lahm. Seit zwei Jahren arbeitet er intensiv an seinem Bratschenkonzert und möchte dem Instrument die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient.

„Erst beim Dirigieren habe ich entdeckt, was für ein schönes Instrument die Bratsche ist und wie wichtig die Mittelstimme ist, die von ihr gespielt wird“, erklärt Schumacher. Viele Konzertbesucher nehmen die Bratsche kaum wahr, da Komponisten traditionell Violinen, Blechbläser oder Schlagwerk in den Vordergrund stellen. Diese Vernachlässigung motivierte Schumacher, die Bratsche ins Zentrum eines eigenen Konzerts zu rücken.

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Von der Idee zur Partitur: Ein kreativer Prozess

Der konkrete Anstoß für das Werk ergab sich durch einen Zufall. Nach einer Aufführung seiner Sinfonie Ende 2024 regte Vinícius Diniz, Solo-Bratschist der Neuen Philharmonie MV, ein Bratschenkonzert an. Schumacher griff die Idee sofort auf. Doch wie komponiert man für ein Instrument, das man selbst nicht beherrscht?

„Ich komme über Klangvorstellungen zu einem Werk. In meinem Kopf entstehen unabhängig von einem Instrument Melodien“, beschreibt Schumacher seinen Schaffensprozess. Diese inneren Klänge bringt er dann zu Papier und verteilt sie auf die verschiedenen Instrumente. Für die technische Umsetzung studierte er Instrumentenlehre und entdeckte die besonderen Qualitäten der Bratsche: „Im Prinzip ähneln sich Geige und Bratsche, aber die Bratsche hat eine tiefer gelegte C-Saite. Dadurch kann man tolle, erdige Töne spielen.“

Intensive Zusammenarbeit mit Solisten und Dirigent

Entscheidend für die Realisierung des Konzerts war die enge Kooperation mit den Solisten Vinícius Diniz und Luz Elisabeth Sánchez. Die 24-jährige spanische Bratschistin wird die Uraufführung in Parchim sowie weitere Konzerte in Waren, Pasewalk und Demmin gestalten. Regelmäßige Treffen und Austausch per Videokonferenz halfen, praktische Herausforderungen zu meistern. „Luz hat mir dann öfter mal gesagt: Lutz, das ist unspielbar! Gemeinsam haben wir jeweils eine spielbare Variante erarbeitet“, so Schumacher.

Unverzichtbar war auch die Unterstützung durch Andreas Schulz, Gründer und Leiter der Neuen Philharmonie MV. Schulz, der Schumacher das Dirigieren beibrachte, lobt die Fortschritte des Komponisten: „Ohne Zweifel hat Lutz Schumacher gegenüber seiner ersten Sinfonie große Fortschritte gemacht.“ Bei einem Workshop im Februar spielte das Orchester das Werk erstmals vom Blatt – eine intensive Feuerprobe, die zu zahlreichen Änderungen führte.

Ein Werk voller Emotionen und Überraschungen

Das etwa 30-minütige Bratschenkonzert verspricht ein vielseitiges Hörerlebnis. „Drei höchst unterschiedliche Sätze, die einen großen Bogen an Emotionen bieten. Vor allem der letzte Satz beinhaltet viel Feuer, das Werk endet furios und lustig“, verrät Schumacher. Die Uraufführung findet im Rahmen der Konzertreihe „Stadt.Land.Klassik!“ statt, bei der die Neue Philharmonie MV auch Beethovens 6. Sinfonie „Pastorale“ und Rossinis Ouvertüre zu „Wilhelm Tell“ präsentiert.

Für Schumacher, der neben seiner Tätigkeit als Medienmanager mehrere satirische Bücher veröffentlichte, ist die klassische Musik eine passionierte Nebenbeschäftigung, die viel Zeit und Hingabe erfordert. „Ich bin Höllen gespannt, wie mein neues Werk beim Publikum ankommen wird“, gesteht er. Die Konzerte in Parchim, Waren, Pasewalk und Demmin bieten Gelegenheit, die Bratsche in einem völlig neuen Licht zu erleben.

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