Kritik an geplantem Auftritt von Kulturstaatsminister Weimer bei Buchenwald-Gedenken
Zwei bedeutende Verbände haben sich mit deutlichen Worten gegen einen geplanten Auftritt des Kulturstaatsministers Wolfram Weimer bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald ausgesprochen. In einem offenen Brief fordern die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora den Minister nachdrücklich auf, auf sein geplantes Grußwort am 12. April zu verzichten.
Offener Brief mit schweren Vorwürfen
Die Verbände, die sich aus Angehörigen politischer Häftlinge des Lagers zusammensetzen, werfen Weimer in ihrem Schreiben vor, in den vergangenen Jahren kein ausreichendes Verständnis für die Belange von KZ-Überlebenden gezeigt zu haben. „Tatsächlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschäftigt hätten“, heißt es in dem von Katinka Poensgen und Horst Gobrecht unterzeichneten Dokument.
Besonders kritisch sehen die Autoren Weimers wiederholte Verwendung des Heinrich-Heine-Zitats „Der Taufschein ist die Eintrittskarte zur Europäischen Kultur“. Aus Sicht der Verbände impliziert diese Aussage, dass viele ehemalige Häftlinge und ihre Nachkommen nicht zur europäischen Kultur gezählt würden – eine Position, die sie als zutiefst problematisch bewerten.
Aktuelle Kontroversen überschatten Gedenken
Die Kritik bezieht sich auch auf aktuelle kulturpolitische Entscheidungen Weimers. Die Verbände erwähnen ausdrücklich die Kontroverse um die Streichung dreier linker Buchläden von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis aufgrund „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“. „Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können“, schreiben die Vorsitzenden und verweisen darauf, dass bei Verhaftungen durch die Gestapo bei politischen Häftlingen regelmäßig linke Literatur beschlagnahmt wurde.
Die Verbände fordern Weimer auf, die Gedenkstätte Buchenwald und das Andenken an die Opfer aus aktuellen Konflikten um die Ausrichtung der bundesdeutschen Kulturpolitik herauszuhalten. Sie betonen die Notwendigkeit, das Gedenken an die Frauen, Männer und Kinder, die im Lager um ihr Überleben kämpften, vor politischer Instrumentalisierung zu schützen.
Vorfeld des Gedenkens bereits von Diskussionen geprägt
Das diesjährige Gedenken zur Befreiung des Konzentrationslagers war bereits im Vorfeld von Kontroversen begleitet. Eine besondere Rolle spielt dabei die Kampagne „Kufiyas in Buchenwald“ linksradikaler und propalästinensischer Aktivisten, die im Internet zu Protesten während des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung aufgerufen haben. Sowohl die Gedenkstätte selbst als auch die beiden Verbände haben diese Initiative als „völlig unangemessene Instrumentalisierung des Gedenkens“ abgelehnt.
Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 12. April wird Entertainer Hape Kerkeling eine Rede halten, dessen Großvater in Buchenwald inhaftiert war. Die ursprüngliche Planung sah neben diesem Beitrag auch ein Grußwort von Kulturstaatsminister Weimer vor – eine Teilnahme, die nun von bedeutenden Vertretern der Opferverbände in Frage gestellt wird.



