Vergessenes Gleimhaus in Falkenstein soll bis 2029 wiederbelebt werden
Ein Förderverein hat sich zum Ziel gesetzt, das seit Jahren leerstehende Geburtshaus des Dichters Johann Wilhelm Ludwig Gleim in Falkenstein zu retten und bis zum 310. Geburtstag des Aufklärers im Jahr 2029 als lebendige Begegnungsstätte wiederzueröffnen. Das historische Gebäude, das 1720 erbaut wurde und in dem Gleim 1719 geboren wurde, ist trotz seiner kulturellen Bedeutung weitgehend in Vergessenheit geraten.
Zusammenarbeit zwischen Förderverein und Stadtverwaltung
Der noch junge Förderverein Stadtschloss Ermsleben hat Kontakt zum berühmten Gleimhaus in Halberstadt aufgenommen und will gemeinsam mit der Stadt Falkenstein eine Vereinbarung zur Wiederbelebung des Gebäudes treffen. Ortsbürgermeisterin Kristin Eichmann-Rank betont: „Wir wollen, dass es einfach wieder für die Region wichtig wird, weil Gleim 1719 hier geboren wurde.“ Die Finanzierung soll über das Leader-Förderprogramm erfolgen, wobei die Stadt die erforderlichen Eigenmittel von 20 Prozent bei einer Fördersumme von 250.000 Euro beisteuert.
Umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig
Das Gleimhaus in der Siederstraße benötigt dringend umfassende Sanierungsmaßnahmen:
- Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden
- Einbau einer neuen Heizungsanlage
- Modernisierung der Toiletten
- Einrichtung einer Küche
- Barrierefreie Gestaltung
Obwohl das Gebäude vor mehr als 25 Jahren bereits mit Fördergeldern saniert wurde, ist heute eine erneute grundlegende Renovierung unumgänglich, um das Haus wieder nutzbar zu machen.
Vielseitige Nutzungskonzepte geplant
Der Förderverein verfolgt ambitionierte Pläne für die zukünftige Nutzung des wiederbelebten Gleimhauses:
- Wiederaufnahme von literarischen Lesungen
- Nutzung als Vereins- und Veranstaltungsort
- Einbindung der örtlichen Schulen
- Unterbringung der Stadtbibliothek
- Schaffung eines behindertengerechten Trauzimmers
- Wiederherstellung des Museumscharakters mit Exponaten zur Stadtgeschichte
Besonders die Grund- und Sekundarschule „Ludwig Gleim“ in Ermsleben, deren Fünftklässler jährlich das Gleimhaus in Halberstadt besuchen, soll von der Wiederbelebung des Geburtshauses profitieren.
Vom Stadtschloss zum Gleimhaus: Neuausrichtung des Vereins
Ursprünglich hatte sich der Förderverein gegründet, um das historische Stadtschloss in Ermsleben vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Doch wie Ortsbürgermeisterin Eichmann-Rank einräumt, waren die erforderlichen Investitionen für dieses Vorhaben zu hoch: „Das kann der Verein nicht stemmen, und die Stadt kann sich des Objekts auch nicht annehmen - die Investition ist viel zu hoch.“ Daher hat sich der Verein neu orientiert und will sich nun um andere kulturhistorisch wertvolle Gebäude im Ort kümmern - das Gleimhaus ist das erste Projekt dieser neuen Ausrichtung.
Mit der geplanten Wiederbelebung bis 2029 soll nicht nur ein bedeutendes Denkmal der deutschen Aufklärung bewahrt, sondern auch ein lebendiger kultureller Mittelpunkt für die Region geschaffen werden, der die Verbindung zwischen Gleims Geburtsort Falkenstein und seinem späteren Wirkungsort Halberstadt stärkt.



