Gutshaus Eickelberg: Ein historisches Juwel erwacht aus dem Dornröschenschlaf
Im beschaulichen Eickelberg vollzieht sich derzeit eine bemerkenswerte Verwandlung: Das historische Gutshaus, das über Jahrzehnte hinweg verschiedene Nutzungen erlebte, wird Stück für Stück in seinen ursprünglichen Glanz zurückversetzt. Ein besonders wichtiger Meilenstein steht nun unmittelbar bevor – die Wiedereröffnung des historischen Wintergartens, der um 1920 als Umgang angebaut wurde.
Die Rückkehr des schmucken Altans
Anja Kannenberg, die engagierte Retterin des Gutshauses, erklärt mit leuchtenden Augen: „Die großen Fenster und die restaurierte Eingangstür kehren zurück und werden durch die Tischlerei Rossnagel aus Bützow wieder eingebaut.“ Dieser etwa 1920 angebaute Umgang war lange Zeit offen und wird nun dank der Unterstützung von Sponsoren sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wieder zu einem windgeschützten Wintergarten umgestaltet. Die Arbeiten orientieren sich dabei akribisch an historischen Fotografien, um den ursprünglichen Charakter des Gebäudes zu bewahren.
Die offizielle Einweihung dieses wichtigen Bauabschnitts ist für Freitag, den 27. März, geplant. Um 12 Uhr beginnt eine feierliche Andacht zur Wiedereinweihung des Altans im Wintergarten und Foyer. Zu diesem besonderen Anlass werden zahlreiche Gäste erwartet:
- Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
- Jugendliche der Jugendbauhütte, die im vergangenen Jahr an diesem Denkmal gearbeitet haben
- Mitglieder des Schlösservereins
- Gutsherren aus der Nachbarschaft
- Die gesamte Dorfgemeinschaft sowie Bewohner der Nachbardörfer
- Alle ehemaligen Bewohner des Hauses und ihre Familien
Ein wandelndes Geschichtsbuch: Jürgen Tack
Unter den geladenen Gästen wird auch Jürgen Tack sein, der 1947 in diesem Haus geboren wurde und bis 1954 darin aufwuchs. Heute gilt er als wandelndes Ortsgeschichtsbuch und hat sogar ein Buch über Eickelberg verfasst. „Wenn einer Eickelberg kennt, dann bin ich das“, sagt Tack selbstbewusst und beginnt zu erzählen.
Seine Familie kann als Ureinwohner von Eickelberg bezeichnet werden. Sein Großvater war Dorfschullehrer und Küster und wurde 1945 von den Russen als Bürgermeister eingesetzt – eine Position, die er erhielt, weil er ebenso wie Tacks Vater kein Mitglied der NSDAP war. Der Vater arbeitete als Inspektor beim Gutsherrn von Wedekind in Klein Görnow und später in der Domäne Scharpzow bei Malchin, nachdem er Landwirtschaft gelernt hatte.
Tack berichtet von den harten Jahren der Kriegswirtschaft: „Im Gut Eickelberg mussten beispielsweise die Pferde abgegeben werden, da das Benzin allmählich knapp wurde. Also wirtschaftete man mit Ochsen und Eseln als Zugtiere. Das Gutshaus-Mobiliar wurde teilweise für Tierarztkosten abgegeben.“
Bewegte Geschichte: Vom Krieg bis zur DDR-Zeit
Die Geschichte des Hauses ist geprägt von den Wirren des 20. Jahrhunderts. Tacks Vater musste nach Stalingrad, kehrte wie durch ein Wunder zurück – allerdings in Wehrmachtsuniform, weshalb er zunächst in Güstrow ins Gefängnis kam. „Aber kraft seines Amtes hat mein Großvater ihn da wieder rausgeholt“, erzählt Tack. Da der Vater kein Land mehr besaß, kehrte er zum Großvater nach Eickelberg zurück und zog ins Gutshaus, wo neben dem Pfarrhaus auch viele Umsiedler untergebracht waren.
Der Gutsherr aus der Familie von Lützow, der Eickelberg seit Jahrhunderten gehörte, durfte nach dem Einmarsch der Russen noch zwei Zimmer im Gutshaus behalten. Unglücklicherweise stürzte dieser dann die Treppe herab und starb infolge eines Oberschenkelhalsbruchs. In der DDR-Zeit diente das Haus unter anderem als Jugendwerkhof, bevor es schließlich in einen Dornröschenschlaf fiel.
Neue Visionen für ein altes Haus
Vor einigen Jahren erwarb Anja Kannenberg das mehrfach umgebaute Gutshaus und begann mit der schrittweisen Sanierung. „Weil dieses Haus an diesem schönen Ort einfach gerettet werden muss“, begründet die neue Gutshausherrin ihr Engagement. Für sie war Nichtstun keine Option.
Die energische Frau hat bereits konkrete Pläne für die Zukunft des Gutshauses Eickelberg:
- Eine Dauerwohnung soll entstehen
- Mehrere Ferienwohnungen sind geplant
- Gastronomie soll Besucher einladen
Bereits im Sommer möchte Kerstin Hegermann-Basche vom Bützower Café Stine hier ein Café betreiben. Damit würde das Gutshaus nicht nur architektonisch, sondern auch als lebendiger Ort der Begegnung wiedererweckt.
Besonders berührt zeigt sich Kannenberg von der Unterstützung der Familie Tack: „Auch seine Tochter und Enkelin sind immer fleißig und hilfsbereit dabei, wenn es um das Haus geht. Sie haben schon viel geleistet, um es wieder zum Leben zu erwecken. Ich finde das total schön, und es ist auch das Besondere an diesem Gutshaus, dass sich die Menschen hier so sehr damit identifizieren.“
Mit der Wiedereröffnung des Wintergartens beginnt ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Gutshauses Eickelberg – ein Kapitel, das von Engagement, Erinnerung und der Liebe zum historischen Erbe geprägt ist.



