Königspfalz Helfta: Archäologische Grabungen gehen weiter - Touristische Erschließung bis 2030 geplant
Die archäologischen Grabungen auf dem Gelände der ehemaligen Königspfalz Helfta bei Eisleben im Landkreis Mansfeld-Südharz werden in diesem Jahr fortgesetzt. Gleichzeitig soll auf dem historischen Areal in den kommenden vier Jahren ein umfassender touristischer Erlebnisort entstehen, der Besuchern die bedeutende ottonische Herrschaftsstätte näherbringen wird.
Weitere Grabungen und touristische Entwicklung
Felix Biermann, Projektleiter der archäologischen Untersuchungen, betonte die Bedeutung der fortlaufenden Forschungen. Die neuen Grabungen konzentrieren sich auf weitere Gebäude der ottonischen Pfalz und der karolingischen Burg, früh- bis spätmittelalterliche Befestigungsanlagen, zusätzliche Gräber sowie die ausgedehnten Vorburgen. „Die wiederentdeckte Königspfalz Helfta hat weit über Sachsen-Anhalt hinaus historische Bedeutung als wichtiger Herrschaftsort der Ottonen“, erklärte Landesarchäologe Harald Meller.
Der Bürgermeister von Eisleben, Carsten Staub, gab bekannt, dass die Gesamtkosten für das Projekt bei rund 8,9 Millionen Euro liegen. Davon werden 1,3 Millionen Euro für die weiteren Grabungen bereitgestellt, finanziert aus dem Strukturentwicklungsprogramm „Sachsen-Anhalt REVIER 2038“. „In diesem Jahr wird mit der Erneuerung der Straße zum Pfalzgelände begonnen, die eigentlichen Arbeiten sind dann ab 2027 geplant“, so Staub.
Umfangreiche Funde und wissenschaftliche Auswertung
Seit Beginn der Grabungen im Jahr 2021 haben Archäologen bereits bemerkenswerte Entdeckungen gemacht:
- Überreste der Kirche, des Palastes und mehrerer Grubenhäuser
- Mehr als 250 Bestattungen im Inneren der Kirche und auf dem angrenzenden Friedhof, datierend vom 10. bis ins 12./13. Jahrhundert
- Die Reste des repräsentativen Hauptgebäudes der Pfalz, gefunden im Jahr 2022
- Spätere Befestigungen und ein Rechteckturm, die auf eine hoch- und spätmittelalterliche Burganlage hinweisen
Die Grabungen förderten zudem reiches Fundmaterial aus dem 8. bis 15. Jahrhundert zutage, darunter:
- Keramik
- Fibeln und Schmuck
- Münzen
- Das Fragment einer Kirchenglocke
Alle Funde werden derzeit wissenschaftlich ausgewertet. „Die geplanten Forschungen werden unserem Bild der Ottonenzeit weitere wichtige Puzzleteile hinzufügen“, betonte Meller.
Touristisches Konzept mit Besucherzentrum und interaktivem 3D-Modell
Im Zentrum des touristischen Vorhabens soll ein modernes Besucherzentrum stehen, das über die Ausgrabungen und Funde informiert. Geplant sind unter anderem:
- Ein interaktives 3D-Modell des Königspalastes
- Ein Amateurgrabungsfeld für Kinder und Jugendliche
- Eine Bühne für kulturelle Veranstaltungen
- Ein Picknick-Bereich und Spielplatz
- Ein Kinoraum im Besucherzentrum
Die Umrisse der ehemaligen Pfalz sollen mit einem speziellen Zaungeflecht sichtbar gemacht werden, ergänzt durch eine besondere Beleuchtung. Ein Metall-Aussichtsturm wird an der Stelle entstehen, an der sich der Bergfried der im 12. Jahrhundert erbauten Burg Helfta befand.
Historische Bedeutung der Königspfalz
Eine Königspfalz diente im Mittelalter als Aufenthalts- und Herrschaftsort für die herumreisenden Herrscher. Aus dem 10. Jahrhundert sind zwei Aufenthalte Kaiser Ottos des Großen (912-973) und seines Sohnes, Kaiser Otto II. (955-983), in Helfta nachgewiesen. „Wir freuen uns sehr, mit der Lutherstadt Eisleben einen engagierten Partner gefunden zu haben, dem die Erforschung, Bewahrung und Sichtbarmachung dieses für das kulturelle Erbe der Region und Mitteleuropas zentral wichtigen Ortes am Herzen liegt“, sagte Landesarchäologe Meller.
Die schriftliche Erwähnung der Burganlage reicht bis ins 15. Jahrhundert, was die kontinuierliche Bedeutung des Standortes über mehrere Jahrhunderte hinweg unterstreicht. Mit der Kombination aus fortlaufender archäologischer Forschung und touristischer Erschließung soll die Königspfalz Helfta nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die breite Öffentlichkeit wieder erlebbar werden.



