Kontroverse um Buchenwald-Gedenken: Verbände fordern Absage von Kulturstaatsminister Weimer
Zwei bedeutende Buchenwald-Verbände haben Kulturstaatsminister Wolfram Weimer in einem offenen Brief aufgefordert, auf einen öffentlichen Auftritt bei der Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald zu verzichten. Die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und die Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora, die Angehörige politischer Häftlinge vertreten, kritisieren Weimers Haltung scharf.
Vorwurf mangelnden Verständnisses für KZ-Überlebende
In dem Schreiben werfen die Vorsitzenden Katinka Poensgen und Horst Gobrecht dem Kulturstaatsminister vor, er habe in den vergangenen Jahren nicht erkennen lassen, dass er sich positiv mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderen Lagern auseinandersetze. "Tatsächlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschäftigt hätten", heißt es in dem offenen Brief.
Konkret kritisieren die Verbände Weimers wiederholte Verwendung des Heinrich-Heine-Zitats "Der Taufschein ist die Eintrittskarte zur Europäischen Kultur". Aus Sicht der Autoren signalisiere diese Aussage vielen ehemaligen Häftlingen und ihren Nachkommen, dass sie nicht zur europäischen Kultur gezählt würden.
Aktuelle kulturpolitische Konflikte überschatten Gedenken
Die Verbände nehmen auch Bezug auf die aktuelle Kontroverse um Weimers Entscheidung, drei linke Buchläden wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" von der Nominierungsliste für den Deutschen Buchhandlungspreis zu streichen. "Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können. Bei Verhaftungen durch die Gestapo wurde bei ihnen nachweislich linke Literatur beschlagnahmt", schreiben Poensgen und Gobrecht.
Sie fordern Weimer auf, die Gedenkstätte Buchenwald und das Gedenken an die Frauen, Männer und Kinder, die an diesem Ort um ihr Überleben kämpften, aus aktuellen Konflikten um die Ausrichtung bundesdeutscher Kulturpolitik herauszuhalten. Die Autoren befürchten eine Instrumentalisierung des Gedenkens für politische Zwecke.
Hape Kerkeling als Gedenkredner mit persönlichem Bezug
Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 12. April wird Entertainer Hape Kerkeling die Hauptrede halten. Der 61-jährige Komiker hat einen persönlichen Bezug zum Ort: Sein Großvater war in Buchenwald inhaftiert. "Wenn ich heute an diesen Ort komme, tue ich das nicht nur, um seiner zu gedenken. Ich tue es, weil mich die aktuelle politische Entwicklung in unserem Land zutiefst alarmiert", erklärt Kerkeling.
Für ihn sei Buchenwald keine ferne Vergangenheit, sondern eine steingewordene Warnung. "Wer heute wegschaut oder gar jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig", betont der Entertainer in seiner geplanten Ansprache.
Vorfeld des Gedenkens bereits von Kontroversen geprägt
Das diesjährige Gedenken zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald war bereits im Vorfeld von mehreren Kontroversen überschattet. Neben der Ablehnung von Weimers geplantem Grußwort durch die Verbände sorgte auch die Kampagne "Kufiyas in Buchenwald" linksradikaler und propalästinensischer Aktivisten für Diskussionen.
Die Gedenkstätte selbst bezeichnete diesen Aufruf zu öffentlichen Protesten während des Gedenkwochenendes zum 81. Jahrestag der Befreiung als "völlig unangemessene Instrumentalisierung des Gedenkens". Sowohl die Lagergemeinschaft als auch die Lagerarbeitsgemeinschaft hatten die Kampagne bereits zuvor abgelehnt.
Neben Weimer ist auch ein Grußwort von Thüringens Landtagspräsident Thadäus König (CDU) bei der Gedenkveranstaltung vorgesehen. Die zentrale Zeremonie findet am historischen Ort der Befreiung statt und soll an die mehr als 56.000 Menschen erinnern, die im Konzentrationslager Buchenwald und seinen Außenlagern zwischen 1937 und 1945 ums Leben kamen.



