Das renommierte Teatro La Fenice in Venedig hat die Zusammenarbeit mit der umstrittenen Dirigentin Beatrice Venezi beendet, bevor diese ihr Amt überhaupt antreten konnte. Wie die Stiftung des Opernhauses mitteilte, werden sämtliche geplanten Projekte mit der 36-Jährigen gestrichen. Die Entscheidung fiel nach monatelangen Protesten und internen Konflikten.
Hintergrund der Ernennung
Erst im Oktober des vergangenen Jahres hatte das Teatro La Fenice – das größte und bekannteste Opernhaus der Lagunenstadt – Venezi zur neuen Musikdirektorin ernannt. Sie sollte das Amt ab Oktober dieses Jahres übernehmen und bis März 2030 ausüben. Doch die Berufung löste von Beginn an heftige Kontroversen aus.
Kritik an mangelnder Erfahrung
Kritiker bemängelten, dass Venezi nie eines der großen Orchester der Welt dirigiert habe und daher unerfahren sei. Zudem gilt sie als politisch eng mit der rechten Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verbunden und als deren persönliche Vertraute. Dies führte zu dem Vorwurf, Venezi sei nur aufgrund dieser Verbindungen ausgewählt worden. Auch die Belegschaft des Opernhauses kritisierte, dass sie nicht in die Entscheidung einbezogen worden sei, und forderte deren Rücknahme.
Einschaltung früherer Bürgermeister
Laut Medienberichten hatten sich vier frühere Bürgermeister Venedigs in den Konflikt eingeschaltet. Sie beanstandeten, dass bei der Ernennung bewährte Verfahren missachtet worden seien. Dazu gehöre, dass sich Dirigent und Orchester vor einer dauerhaften Verpflichtung zunächst kennenlernen und zusammenarbeiten sollten.
Eskalation durch Interview-Äußerungen
Besonders der Intendant Nicola Colabianchi, der Venezis Engagement verteidigt hatte, stand im Fokus der Kritik von Orchester, Chor und Beschäftigten. Die Belegschaft reagierte mit Arbeitsniederlegungen und weiteren Aktionen, die weit über Venedig hinaus für Aufsehen sorgten.
Ausschlaggebend für die endgültige Beendigung der Zusammenarbeit waren nach Angaben der Stiftung des Opernhauses jedoch „wiederholte und schwerwiegende öffentliche Äußerungen“ von Venezi. Diese hätten den „künstlerischen und professionellen Wert der Stiftung Teatro La Fenice und ihres Orchesters beleidigt und beeinträchtigt“ und seien mit den Grundsätzen des Theaters unvereinbar.
In einem Interview mit der argentinischen Zeitung „La Nacion“ hatte Venezi die Arbeit im Orchester kritisiert und unter anderem behauptet, Stellen würden „praktisch von Vater zu Sohn“ weitergegeben. Sie bemängelte ein Umfeld, das notwendige Veränderungen nicht akzeptieren wolle. Diese Äußerungen führten letztlich zum Bruch.



